Hochzinsmanager müssen im ESG-Bereich einen Zahn zulegen

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Die britische Regierung hat entschieden, dass Pensionsfonds wichtige ESG-Faktoren bei der Bewertung berücksichtigen müssen. Das nutzt nur denen, die glauben, dass Nachhaltigkeit eher eine Notwendigkeit als eine Wahl ist.

Meiner Ansicht nach kann der Blick durch die ESG-Brille dazu
beitragen, qualitative Risiken zu beobachten und sowohl den
Managementstil als auch die Prioritäten der Unternehmensleitungen zu
bewerten, um idiosynkratische Wertverluste einzelner Firmen zu
vermeiden. ESG-Überlegungen sind insbesondere für Emittenten von
Hochzinsanleihen wichtig, die üblicherweise stärker verschuldet sind und
deshalb positive oder negative Nachrichten eher verstärken.

Eine Studie von Barclays hat vor kurzem herausgefunden, dass sich
Hochzinsportfolios mit einer hohen ESG-Ausrichtung tendenziell
überdurchschnittlich entwickeln. Dabei ist die Komponente der
Unternehmensführung die wichtigste von allen. Das macht intuitiv Sinn,
da sich ein Darlehen an gut geführte Unternehmen, deren Interessen auf
die der Anleiheninhaber ausgerichtet sind, langfristig auszahlen sollte.

Hohe ESG-Ratings schneiden besser ab
Hohe ESG-Ratings schneiden besser ab

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass das, was für den Aktienkurs
gut ist, nicht immer gut für das Kreditrisiko ist. Nehmen wir zum
Beispiel ein Unternehmen in Private-Equity-Besitz, das Anreize für eine
maximale Fremdkapitalaufnahme und/oder hohe Aktionärsrenditen schafft.

Obwohl der Zusammenhang zwischen Wertentwicklung und ökologischen und
sozialen Faktoren weniger eindeutig ist, behaupte ich dennoch, dass
Unternehmen langfristig auch die externen Auswirkungen von schlechten
Umwelt- und Sozialpraktiken bedenken müssen. Die kurzfristigen
Einsparungen durch Lohnkürzungen oder die Vermeidung von
Sanierungskosten werden durch den langfristigen finanziellen Schaden
solcher Aktionen zunehmend aufgehoben.

Anleger konzentrieren sich zunehmend auf diese qualitativen Faktoren –
und dies bringt in Kombination mit der Explosion von Big Data ein Level
an Transparenz mit sich, das vielen die Schamröte ins Gesicht treibt.
Exzessives Verhalten wird schneller bestraft, da nun auch
nicht-finanzielle Informationen jederzeit verfügbar sind und in Echtzeit
gemessen werden können. Die Präsenz der sozialen Medien bedeutet
beispielsweise, dass sogar in entlegenen Regionen in Afrika einem
Unternehmen, das eine verunreinigte Mine zurücklässt, möglicherweise
kein Zugang gewährt wird, um in Chile eine neue Mine zu erschließen. Es
gibt bereits eine Handvoll ESG-Datenanbieter, die von der steigenden
Nachfrage profitieren, und ich sage diesen Dienstleistern eine rosige
Zukunft voraus.

Asset Manager brauchen aber mehr als nur externe ESG-Analysen. Hier
sind einige Empfehlungen, die vielleicht hilfreich sein können:

 

  1. Die finanziell wichtigen ESG-Faktoren definieren:
    Wie ESG-Datenanbieter wichtige ESG-Faktoren für eine Branche definieren
    und sie bei der übergeordneten ESG-Bewertung gewichten, ist sehr
    subjektiv und könnte von der Meinung des Asset Managers abweichen. Die
    Bewertung der Qualität der Unternehmensführung durch MSCI konzentriert
    sich beispielsweise auf Aspekte wie die Zusammensetzung des Vorstands
    und die Führungskräftevergütung. Sustainalytics stellt dagegen andere
    Faktoren in den Vordergrund, darunter den Umgang des Unternehmens mit
    Umwelt- und Sozialthemen, was unterschiedliche Ergebnisse zur Folge hat.
    Da immer mehr Anbieter ESG-Lösungen zur Verfügung stellen, wird es
    immer mehr Methoden geben, mit denen sich die Datennutzer
    auseinandersetzen müssen, was möglicherweise widersprüchliche Ergebnisse
    hervorbringen kann. Erfahrene interne Branchenanalysten können meines
    Erachtens am besten beurteilen, welche ESG-Themen sie für eine Branche
    finanziell für am wichtigsten halten.

 

  1. Überprüfen: ESG-Datenanbieter bewerten tendenziell
    Tausende von Emittenten. Dadurch werden die Bewertungen nur etwa einmal
    im Jahr überprüft – und in diesem Fall scheint es nur eine geringe
    Wahrscheinlichkeit zu geben, dass sich die Bewertungen ändern. Die
    Barclays-Studie besagt, dass ein Emittent, der zu Jahresbeginn eine hohe
    ESG-Bewertung hatte, mit einer Wahrscheinlichkeit von 79% (gemäß MSCI)
    und 88% (gemäß Sustainalytics) ein Jahr später wieder das gleiche Rating
    erhält. Dieser Status-Quo-freundliche Ansatz verleitet mich zu der
    Frage, ob ESG-Bewertungen nicht eher ein rückwirkender als ein
    vorausschauender Indikator sind – was sie eigentlich sein sollten. Auch
    hier glaube ich, dass interne Analysten, die zur Überwachung der
    (potenziellen) Bestände aktuelle Analysen in ihr maßgeschneidertes
    ESG-Rahmenwerk einspeisen, möglicherweise effizienter sind als im Falle
    der Nutzung von externen Quellen.

 

  1. Sich engagieren: ESG-Datenanbieter führen keine
    Engagement-Aktivitäten durch. Deshalb müssen die Asset Manager
    einspringen und mit den Unternehmen in den Dialog gehen, um
    sicherzustellen, dass sie ihren Worten Taten folgen lassen. Im Vergleich
    zu Unternehmen mit Investment Grade (IG) ist die Wahrscheinlichkeit bei
    Hochzinsemittenten höher, dass sie sich auf die Anleiheninhaber
    einlassen und für die Verhandlung der Emissionsbedingungen offen sind,
    da der Anleihenmarkt häufig die einzige Finanzierungsquelle ist. Große
    Hochzinsgläubiger sollten in der Lage sein, eine Wirkung zu erzielen,
    indem sie dazu beitragen, Veränderungen voranzutreiben.

 

  1. Informationsschieflage vermeiden: IG-Emittenten
    haben tendenziell ein besseres ESG-Rating als ihre Pendants aus dem
    Hochzinsbereich, was dazu führt, dass viele Anleger von einer positiven
    Korrelation zwischen Bonität und ESG-Bewertung ausgehen – wie
    nachfolgende Grafik zeigt.

Branchenbereinigte Verteilung des ESG-Ratings
Branchenbereinigte Verteilung des ESG-Ratings

Im Prinzip macht es Sinn, dass eine bessere ESG-Leistung zu höheren
Gewinnen und somit zu robusteren Bilanzen und einem besseren Rating
führt, aber ich denke nicht, dass diese Logik greift, wenn man bedenkt,
dass ESG-Daten noch nicht wirksam in den Märkten eingepreist sind.

Meiner Meinung nach schneiden IG-Unternehmen bei den ESG-Bewertungen
vor allem aufgrund von Informationsschieflagen besser ab: IG-Unternehmen
sind in der Regel mit einer guten PR-Abteilung gesegnet, die die
ESG-Anstrengungen des Unternehmens zur Schau stellt. Gemäß eines
aktuellen PRI-Berichts („ESG-Engagement für Anleiheninvestoren“) prüften
und bestätigten im Gegensatz dazu nur 20% der Hochzinsemittenten die
Datenübersicht von MSCI, die es für seine ESG-Ratings nutzt. Bei
Privatunternehmen sinkt dieser Anteil auf 3%. Das bedeutet, dass die
ESG-Daten von Hochzinsemittenten möglicherweise nicht das komplette Bild
erfassen und sich deshalb nicht für Rückschlüsse eignen. Asset Manager
mit großen internen Analystenteams könnten in der Lage sein, auf
relevantere, aber schlechter verfügbare Daten zurückzugreifen, um eine
vollständigere Schlussfolgerung zu ziehen.

Insgesamt können ESG-Datenanbieter zwar einen ersten Rahmen und etwas
Orientierungshilfe bieten, doch aktive Asset Manager müssen ihre
ESG-Kompetenzen verstärken, um das Alpha für ihre Anleger zu maximieren.