Hüfner: Unterschätzte Dividendenrenditen

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Wer hätte das gedacht, dass Dividendenrenditen so deutlich und stabil über den Bondrenditen liegen können?

  • Das Verhältnis von Bonds zu Aktien am Kapitalmarkt hat sich
    durch die Niedrigzinspolitik umgekehrt.
  • Renaissance der Dividendenrenditen. Sie waren in den letzten
    zehn Jahren trotz der Kurssteigerungen erstaunlich stabil.
  • Dividendenrenditen geben dem Anleger einen kontinuierlichen
    Einkommensstrom, helfen in einem Crash aber auch nicht.

Anfang der 90er Jahre bat mich mein Vater, die Verwaltung
seines Vermögens zu übernehmen Ich kaufte ihm – sehr zum Ärger seines
Bankberaters – einzig und allein sehr lang laufende Bundesanleihen (unter
anderem 30-jährige). Es war die beste Anlage, die ich in meinem Leben je
getätigt habe. Leider habe ich sie nicht mit gleicher Konsequenz für meine
eigene Altersvorsorge angewandt. Als mich mein Va­ter in der großen Finanzkrise
fragte, wieviel er denn durch den Crash verloren habe, konnte ich stolz
berichten, dass er gar keine Verluste hatte, sondern nur Gewinne.

»Es gibt nach wie vor
Nischen, in denen man auch am Rentenmarkt Geld verdienen kann.«

Der Charme der Bonds hatte damals viele Gründe. Einmal
natürlich die hohen Zinsen. 30-jährige Bundesanleihen ren­tierten damals über
10 %. Das ergab einen kontinuierlichen Einkommensstrom. Zum anderen die
verlässliche Risikoab­schätzung. Man konnte Bonds in festgelegten Risikostufen
erwerben. Wer kein Risiko eingehen wollte, entschied sich für Staatsanleihen
etwa der USA oder der Bundesrepublik Deutschland.

Wer mehr Risiken wollte,
konnte italienische, griechische oder auch argentinische Bonds erwerben. Zu­dem
war der Markt liquide. Man konnte sich von den Papie­ren jederzeit trennen.
Wenn man Kursgewinne berücksich­tigte, war die Rendite der Bonds nicht
schlechter als die der viel gelobten Aktien.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Wer heute Bonds als
Langfristanlage kauft, weiß angesichts der Minusrenditen von vornherein, dass
er ein Verlustgeschäft macht. Bei Til­gung der Papiere erhält er weniger als er
ursprünglich an­gelegt hat. Von einem kontinuierlichen Einkommensstrom durch
die Kupons kann schon gar nicht mehr die Rede sein. Eigentlich kann man jedem
nur raten: Hände weg von Bonds.

In der Praxis ist es allerdings nicht ganz so
schlimm. Es gibt nach wie vor Nischen, in denen man auch am Rentenmarkt Geld
verdienen kann. Aber es sind eben nur Nischen, die zum Teil mit erheblichen
Risiken verbunden sind. So kann man statt Staatsanleihen Unternehmenspapiere
kaufen. Viele von ihnen werfen auch jetzt noch positive Renditen ab.
Allerdings können Unternehmen pleitegehen. Dann ist man sein ganzes Geld los
oder zumindest einen Teil.

Eine andere Möglichkeit ist, auf Kurssteigerungen durch
Zinssenkungen zu spekulieren. Seit Beginn dieses Jahres sind die Zinsen
zeitweise um einen Prozentpunkt zurückge­gangen. Das ergab erhebliche
Kursgewinne. Denn wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse. Allerdings können
sich die Zinsen erhöhen. Dann ist man arm dran.

Angesichts all dieser Risiken, empfiehlt es sich, am Bond­markt
nicht auf eigene Faust zu investieren, sondern sich professionelle Hilfe zu
holen. Konkret: Das Geld in Fonds anzulegen. Gute Fonds konnten in diesem Jahr
trotz Minus­zinsen beachtliche Renditen erzielen. Der iBoxx Deutsch­land, der
Rentenmarkt-Index, den die Bundesbank veröf­fentlicht und der neben Staats-
auch Unternehmensanleihen enthält, erbrachte seit Jahresbeginn eine Rendite von 4,9 %.

Der
Bloomberg Barclays Global Aggregate Bonds-Index liegt heute um 8 % über
Vorjahr. Viele private Fonds waren noch besser. Das ist alles nicht schlecht.
Allerdings kann niemand garantieren, dass das auch im kommenden Jahr wieder so
sein wird, schon gar nicht, dass es über­haupt wieder positive Renditen geben
wird.

Aktien schlagen Bonds
Aktien schlagen Bonds
Aktien schlagen Bonds

Wenn von Bonds der Lack ab
ist, was dann? Am nahelie­gendsten sind natürlich Aktien. Auch sie bringen gute
Erträ­ge, vor allem, wenn man sie langfristig hält. Wer einen Anla­gehorizont von über 15 Jahre hat, konnte beim DAX in der Nachkriegszeit
eigentlich keine Verluste machen. Trotzdem scheuen traditionelle Bondanleger
Dividendenpapiere wie der Teufel das Weihwasser. Sie verweisen immer wieder auf
die Kursrisiken, in unsicheren Zeiten wie heute auch auf die Gefahr eines Crashs.

Bleiben Zwischenformen zwischen Bonds und Aktien. Eine ist,
sich bei Aktien auf die Dividendenrendite zu fokussieren. Dividendenrenditen
wurden in der Vergangenheit oft ver­nachlässigt, weil sie niedriger als die
Bondrenditen waren. Die Grafik zeigt, dass das seit der großen Finanzkrise
nicht mehr der Fall ist. Das Verhältnis Bonds zu Aktien hat sich auf den Kopf
gestellt.

Seitdem werfen die im DAX enthalte­nen Aktien kontinuierlich stabile
Renditen von 3 % bis 4 % ab. Ein ordentliches Ergebnis in Zeiten von
Minuszinsen. Bondrenditen sind davon meilenweit entfernt. Sie waren zuletzt
negativ. Dividendenrenditen schützen zwar nicht vor Kursrisiken, geben aber mehr Sicherheit als Plain Vanilla-Aktien.

Interessant ist, dass die Dividendenrenditen in
den letzten Jahren trotz der Kurssteigerungen weitgehend gleich ge­blieben
sind. Das zeigt, dass die Unternehmen ihre Ausschüttungen mit
steigenden Kursen angehoben haben. Interessant auch, dass nach amerikanischen
Statistiken die Dividendenrendi­ten im 19. und in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts schon einmal weit über den Bondrenditen lagen. Damals verlangten
die Investoren höhere Erträge als Kompensation für die höheren Risiken der
Aktien.

Eine andere Möglichkeit sind gemischte Fonds
bestehend aus Bonds und Aktien. Früher war ihr Charme, dass Bonds die
Sicherheit garantierten (und ein klein wenig Rendite durch die Kupons), Aktien
dagegen den Ertrag durch die Kursgewinne. Jetzt haben sich die Verhältnisse
umgekehrt. Heute kommen die Kursgewinne von den Bonds, der Bo­densatz der
Rendite dagegen von den Aktien. Attraktiv sind gemischte Fonds aber nach wie
vor.

Für den Anleger

Auch wenn es schwerfallen sollte: Switchen Sie von Bonds zu
Aktien, vor allem zu solchen mit hohen Dividendenrendi­ten. Da können Sie auch
in Zeiten von Minuszinsen noch Geld verdienen. Wenn es allerdings richtig
kracht, dann nutzen Ihnen auch die höheren Renditen nichts. Wenn die Bondrenditen
wieder einmal steigen sollten, dann können sie immer noch zu Festverzinslichen
zurückkehren.