Hüfner: Was heißt Währungskrieg?

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im internationalen Handels- und Währungssystem wird es immer ungemütlicher. Was würde ein Währungskrieg bedeuten?

  • Ein Währungskrieg ist nach den jüngsten Äußerungen des
    amerikanischen Präsidenten wahrscheinlicher geworden.
  • Der US-Dollar wird sich abwerten. Die Bewegung wird aber
    nicht das Ausmaß erreichen, wie das bei früheren Devisenunruhen der Fall war.
  • Anders als beim Handelskrieg würde die US-Konjunktur bei stärkerer
    Dollar-abwertung profitieren. In Europa wäre eine Rezession kaum zu vermeiden.

Immer mehr rückt die Möglichkeit eines Währungskrieges ins
Visier. Bisher haben die USA die Welt mit Handelsrestriktionen überzogen.
Nachdem diese aber nicht die er-wünschten Wirkungen für die USA erbrachten,
liegt es nahe, dass sie jetzt auch in die Devisenmärkte eingreifen. Präsident
Trump hat in den letzten Wochen mehrfach beklagt, dass die Wechselkurse vor
allem Europas und Chinas für die Vereinigten Staaten unfair seien. Das wirft
eine Reihe von Fragen auf.

Was heißt Währungskrieg?
Aus Sicht der USA geht es zunächst darum, den US-Dollar abzuwerten. Trump denkt
im Augenblick wohl an moderate Größenordnungen von 10 % bis 15 %. Dann würde
sich der Euro/Dollar-Kurs der Kaufkraftparität (derzeit 1,32) nähern. Das könnte
man ökonomisch noch einigermaßen begründen.

Währungskrieg?
Euro/USD, Kurse vor
1999 aus der D-Mark abgeleitet

Euro/USD
Euro/USD
Euro/USD

Quelle: Bundesbank

Es kann aber auch ganz anders kommen. Wechselkurse kann man
nicht wie Zölle per „executive order“ dekretieren. Es sind
Marktbewegungen, die manchmal eine Eigendynamik entwickeln, die am Ende schwer
zu bremsen ist. Nach dem Plaza-Abkommen von 1985, das viele heute als historische
Parallele im Kopf haben, wertete der US-Dollar um gut 50 % (!) ab (gemessen am
Anstieg des fiktiven Eurokurs von 0,59 auf 1,22, siehe Grafik). Es war so viel,
dass man sich gleich wieder zusammensetzte, um die Entwicklung wieder umzukehren
(Louvre-Abkommen).

Wie beginnt man einen Währungskrieg? Das ist schwerer als
man denkt. Die erste Möglichkeit ist, dass man den Wechselkurs herunterredet.
Das tut der amerikanische Präsident bereits. Eigentlich hätte der Markt darauf
mit einer Abschwächung des US-Dollar reagieren müssen. Das war zunächst aber
nicht der Fall. Offenbar hat Trump am Markt nicht die nötige Glaubwürdigkeit.
Erst als die Notenbank Zinssenkungen andeutete, hat sich die amerikanische Währung
leicht abgeschwächt.

»Grundsätzlich sind die Wirkungen sehr viel größer als bei einem
Handelskrieg.«

Die zweite Möglichkeit ist, dass die USA auf den Märkten
kaufen. Das haben sie meines Wissens bisher noch nie getan (und wenn, dann nur
in geringem Ausmaß). Das wirkt selbstverständlich sofort. Voraussetzung ist
aber, dass die betroffenen Gegenparteien nicht ebenfalls aktiv werden und
ihrerseits Dollar kaufen. Das ist dann wie bei Zöllen und den entsprechenden
Vergeltungsmaßnahmen: Jeder gegen jeden, ohne dass am Ende einer wirklich
profitiert.

Die dritte Möglichkeit ist eine multilaterale Währungskonferenz,
wie es sie unter dem früheren Präsidenten Reagan in den 80er Jahren gab. Das
hat damals funktioniert. Aller-dings waren die Bedingungen in jener Zeit ganz
andere. Es herrschte weltweit Einigkeit, dass der Dollar überbewertet war. Er
hatte sich zuvor um über 50 % aufgewertet. Jeder wusste, dass das nicht so
bleiben konnte.

Diesmal ist der Dollar zwar auch stark. Dafür gibt es aber
gute Gründe (vor allem das hohe Wachstum und die hohen Zinsen der USA). Ich bin
mir nicht sicher, dass die Europäer, Chinesen oder die Japaner unter diesen
Umständen so einfach einer stärkeren Dollarabwertung zustimmen würden. Ganz
abgesehen davon ist die Bereitschaft zu multilateralen Verhandlungen heute nach
den Erfahrungen in der Handelspolitik weder bei den Amerikanern noch bei ihren
Partnern sehr groß.

Was sind die Wirkungen eines Währungskrieges? Grundsätzlich
sind die Wirkungen sehr viel größer als bei einem Handelskrieg. Denn betroffen
sind nicht nur ausgewählte Einfuhren der Amerikaner (beziehungsweise Ausfuhren
bei Vergeltungsmaßnahmen). Bei Wechselkursveränderungen bewegen sich die Preise
aller Güter und Dienste, die international gehandelt werden. Dazu kommen auch
noch die Effekte auf die Kapitalströme. Währungskriege sind daher viel
schlimmer als Handelskriege.

Was wird passieren? Anders als bei Zöllen sind die Wirkungen
asymmetrisch. Wenn die Wechselkursveränderungen über 10 % oder 20 %
hinausgehen, bekäme die Konjunktur in den USA einen kräftigen Schub. Exporte
steigen, Importe gehen zurück. Gleichzeitig erhöht sich die Inflation, weil die
Einfuhren aus dem Ausland teurer werden. Die amerikanische Notenbank würde
nicht mehr an Lockerungen denken, sondern an Zinserhöhungen. In jedem Fall wären
die geplanten Zinssenkungen passé. Das würde der intendierten Dollarabwertung
entgegenwirken.

Umgekehrt in den aufwertenden Ländern. In Europa,
insbesondere natürlich in Deutschland, wäre angesichts der hohen außenwirtschaftlichen
Abhängigkeit eine Rezession nicht mehr zu vermeiden. Die Preissteigerung würde
noch kleiner. Vielleicht würde das Preisniveau sogar sinken. Die EZB müsste
gegensteuern. Da sie die Leitzinsen nicht, jedenfalls nicht mehr viel senken
kann, kommen hier einmal Wertpapierkäufe in Frage. Noch naheliegender sind aber
Dollarkäufe am Devisenmarkt. Das würde die Euroaufwertung bremsen.

Für den Anleger

Ein Währungskrieg mit einer Abschwächung des US-Dollars ist
als Ergänzung des Handelskrieges nicht unwahrscheinlich. Der US-Dollar würde
sich abwerten, der Euro, der Renminbi und vielleicht auch der japanische Yen würden
sich festigen. Es sieht aber nicht danach aus, dass die Größenordnung der Währungsveränderung
Dimensionen wie zu Zeiten des Plaza-Abkommens erreichen. US-Aktien würden vom Währungskrieg
profitieren. Allerdings müsste jeder ausländische Investor in den USA auch die
erhöhten Wähungsrisiken einbeziehen. In Europa ist bei den Aktien mit größeren
Einbrüchen zu rechnen. Die langfristigen Zinsen würden in den USA nach oben
gehen, in den aufwertenden Ländern trotz der bereits erreichten niedrigen
Niveaus nach unten.