Ideale Bedingungen für europäische Aktien oder droht der Abschwung?

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Donald Trump und Xi Jinping haben sich noch immer nicht geeinigt. Geht der Streit zu Lasten der europäischen Wirtschaft? Für Nordea-AM-Experte Sébastian Galy könnten die Bedingungen für europäische Aktien derzeit kaum besser sein. Edmond de Rothschild AM-Experte Benjamin Melman dagegen meint: Nach den Chinesen nimmt Trump sich die Europäer vor.

Eine nachgiebige EZB, niedrige Inflation und ein sich erholendes Wachstum in Europa – für Sébastian Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, herrschen gerade ideale Voraussetzungen für Kurssteigerungen bei europäischen Aktien. Auch die im Herbst anstehende Wahl des neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) verunsichert Galy nicht. Einzig der Handelsstreit zwischen China und den USA bereitet ihm Sorgen. „Der US-Präsident scheint aus Überzeugung zu handeln, während China seine Souveränität, seinen Status und seine Dominanz bedroht sieht“, sagt Galy. Keine leicht zu vereinbaren Positionen.

Der Nordea-Stratege geht davon aus, dass der Handelsstreit zum G20-Gipfel Ende Juni seinen Höhepunkt erreicht. Bleiben US-Präsident Donald Trump und der chinesische Parteiführer Xi Jinping weiterhin stur, leidet auch die europäische Wirtschaft. Denn geht das chinesische Wirtschaftswachstum zurück, schrumpft auch die Nachfrage nach europäischen Produkten, sagt Galy. Die Einbußen seien für Deutschland und Europa aber zu verkraften.

Benjamin Melman, CIO Asset Allocation and Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management befürchtet eine Eskalation zwischen den USA und China mit deutlich weitreichenderen Folgen für europäische Anleger: „Kurzfristig droht ein Handelskrieg.“ Donald Trump könnte den Handelsstreit mit China bis ins Jahr 2020 hinein weiter anfachen, warnt der Edmond de Rothschild AM-Experte. Denn dann steht die nächste US-Präsidentenwahl an. Die protektionistische Haltung könnte Trump, der erneut kandidieren will, Stimmen bringen.

„Die Unterstützung der Fed ist nicht grenzenlos“

Noch spiele die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das Spiel mit, sagt Melman. Immerhin lässt die Fed durchblicken, dass der Leitzins bald sinken könnte. Angehoben wurde er schließlich, als die US-Wirtschaft deutlich runder lief. Nun lässt das Wachstum nach. Der Streit mit China drückt bei amerikanischen Anlegern und Unternehmern gleichermaßen auf die Stimmung. Ein niedrigerer Leitzins könnte den aktuellen Aufschwung länger aufrechterhalten.  „Aber die Unterstützung der Fed ist nicht grenzenlos“, sagt Melman.

Sollten Trump und Jinping sich einigen, würde dies zumindest die chinesische und US-amerikanische Wirtschaft entlasten. Aber was wäre mit Europa? „Sobald ein Abkommen mit China unterzeichnet ist, wird die Ruhe Trump die Möglichkeit geben, sich dem Automobilimport und dem Handel mit Europa zuzuwenden“, sagt Melman. Schon vor langer Zeit hatte der US-Präsident gefordert, Autoimporte aus Europa mit höheren Zöllen zu belegen. Macht Trump diese Ankündigung wahr, würde das ohnehin niedrige Wirtschaftswachstum Europas weiter Schaden nehmen.