Investieren am Rohstoffmarkt: Das sollten Berater wissen

Schlagworte: , , , , , , , , ,
Wie der Rohstoffmarkt grundsätzlich funktioniert, erklärt Wolfgang Schrage von LBBW Asset Management anhand des vielleicht wichtigsten Rohstoffes unserer Zeit: Öl.

Wer am Rohstoffmarkt investiert, sollte dessen Gesetze kennen. Zum Beispiel: Wie reagieren welche Rohstoff-Preise bei welchen Entwicklungen? Ein Fonds von LBBW geht jedoch ganz anders vor.

Der Rohstoffmarkt hat seine ganz eigenen Gesetze. Die drei wichtigsten davon lassen sich vielleicht so zusammenfassen: Erstens: Rohstoffbörsen sind Terminbörsen. Gehandelt werden hier keine Rohstoffe, sondern Optionen und Futures, also die Rechte, zu einem bestimmten Termin einen bestimmten Rohstoff zu einem festgelegten Preis verkaufen oder kaufen zu dürfen. Zweitens: Auf den Preis eines Rohstoffs haben sehr viele Faktoren Einfluss, zum Beispiel Lagerbestände, konjunkturelle Entwicklungen und der Devisenmarkt, insbesondere der Wert des US-Dollar. Die Preisentwicklung der entsprechenden Futures und Optionen hängt zudem unter anderem von den Laufzeiten der Papiere und weiteren komplexen Faktoren des Terminmarktes ab. Drittens: Man sollte alle diese Faktoren im Blick behalten und bewerten, um im Handel mit Rohstoffkontrakten langfristig Erfolg haben zu können.
Als Wolfgang Schrage von LBBW Asset Management Mitte Juli am Tegernsee auf der Investment-Konferenz von FondsConsult auf die Bühne tritt, um über „Trends und Perspektiven am Rohstoffmarkt“ zu referieren, ahnen die geladenen Vermögensverwaltern und Berater im Auditorium noch nicht, dass er am Ende des Vortrages noch eine wichtige vierte Regel nennen wird, die alles vorher Gehörte zum Teil komplett in Frage stellt.

Der Reihe nach: Wie der Rohstoffmarkt grundsätzlich funktioniert, erklärt Wolfgang Schrage anhand des vielleicht wichtigsten Rohstoffes unserer Zeit: Öl. Er führt für die Zuhörer leicht vollziehbar vor, welche Bedeutung der Ölpreis für die Rohstoffmärkte hat, wann man in welche Öl-Futures investieren sollte und wann man besser die Finger davon lässt. Wichtigster Faktor seien die Förderkosten in den USA, so Schrage. Die Produktionskosten seien in den vergangenen Jahren von einstmals 80 auf 50 Dollar pro Barrel gesunken. Nähere sich der Preis diesem Wert, sei es ein guter Zeitpunkt für den Kauf, sagt Schrage. Denn bei 50 US-Dollar pro Barrel Förderkosten sei jeder Preis darüber für die US-Öl-Förderer ein Gewinn. „Immer wenn der Preis über 50 US-Dollar geht, wird die Fördermenge erhöht – und umgekehrt“, so Schrage. Die Fördermenge wiederum habe in der Folge einen Einfluss auf den Preis, allerdings gebe es auch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Automobilnachfrage in China.

Spannende Entwicklung bei Industriemetallen

Als weiteres Beispiel für Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt nennt Wolfgang Schrage Industriemetalle: Hier spielten der Markt für Elektro-Automobile und insbesondere die für die Batterieproduktion notwendigen Rohstoffe eine wichtige Rolle. Das Auditorium erfährt, dass insbesondere Nickel in Zukunft eine entscheidende Rolle zukommt. Der Grund: Der Akku ist das teuerste Bauteil dieser Fahrzeuge und zugleich der Wachstumstreiber dieser Technologie. Für die Akkus gibt es mehrere Metalle, die eingesetzt werden können, um die geladenen Teilchen, also die Ionen, zu speichern. Chinas Autobauer haben lange Zeit auf Eisenphosphat gesetzt, erklärt Schrage. Vorteil: Eisenphosphat ist sehr preiswert. Nachteil: Es ist leistungsschwach, die Selbstentladung ist hoch, es bietet keine hohe Energiedichte.

Anders sei die Lage in Europa: Hier werden Mangan, Nickel, Kobalt und Lithium verwendet – das Beste vom Besten. Nachteil: Mangan und Kobalt sind sehr teuer. Das führe zu Ausweicheffekten, so Schrage: Tesla verwende 70 Prozent Nickel. Das mache nun auch China. Eisenphosphat werde immer seltener verwendet. Der Effekt: Der Nickel-Markt hänge nun sehr eng mit dem chinesischen Pkw-Markt zusammen.

Die vierte Regel: Der Markt hat immer Recht

Als Wolfgang Schrage den Fonds LBBW Rohstoffe 1 vorstellt, überrascht er das Auditorium mit einer erstaunlichen Aussage: „Uns interessiert die fundamentale Analyse des Rohstoffmarktes überhaupt nicht“, sagt Schrage. Der Fonds investiert regelbasiert nach einem ausgeklügelten System rolloptimiert in Futures auf zehn verschiedene Rohstoffe und profitiert von Marktineffizienzen. „Wir investieren in Rohstoffe mit Verkaufsrabatten. Wir kaufen in Aufwärtstrends und verabschieden uns in einem Abwärtstrend“, erklärt Schrage.

Seit dem 14. Januar 2018 wird auch keine Absicherung mit Shorts mehr vorgenommen, stattdessen werden Positionen verkauft, um das Risiko zu reduzieren. Warum die Erkenntnisse aus der fundmentalen Analyse, die er zuvor so eloquent erklärt hatte, für diesen Fonds keine Rolle spielen, erklärt Wolfgang Schrage so: „In den Terminkurven ist alles Wissen des Marktes eingepreist. Eigene Analyse ist für dieses System überflüssig“. Das, so wird den Zuhörern klar, ist die vierte Rohstoff-Regel, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Der Markt hat immer Recht.