Investment Analyst: ESG-Kriterien beeinflussen Erfolg des Gesundheitssektors

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„Der
Gesundheitssektor ist einerseits gut aufgestellt, um zur Förderung von Gesundheit
und Wohlbefinden beizutragen. Andererseits steht die Branche jedoch wegen
einiger ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik, vor allem bei den Themen
Produktsicherheit, Marketing und Preisgestaltung“, erklärt Julien Foll,
Responsible Investment Analyst bei AXA Investment Managers.

Mit
Blick auf die Sicherheit von Produkten zeige sich zwar, dass gerade große
Unternehmen im Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren nennenswerte
Verbesserungen erzielen konnten. Dies habe wesentlich dazu beigetragen, Schäden
zu minimieren. Dennoch seien bei bestimmten Unternehmen immer wieder
Rückrufaktionen und der Versand von Warnschreiben erforderlich.

Produktvermarktung
birgt Risiken

Ein
weiteres Risiko bestehe in der illegalen oder unangemessenen Vermarktung von
Pharmaprodukten: „Die meisten Gerichtsprozesse wegen unangebrachtem Marketing
finden in den USA statt, wo sowohl Direktwerbung für verschreibungspflichtige
Medikamente als auch Sammelklagen zulässig sind. Zwar sind die Prozesskosten in
den letzten Jahren gesunken, aber es gibt Unternehmen, die deutlich stärker im
Fokus stehen als andere“, betont Foll.

Anlass
zu wachsender Sorge verursache zudem die Preisgestaltung im Gesundheitssektor.
Vor allem in den USA sei der öffentliche und politische Druck auf die Unternehmen
gestiegen. 2015, als die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton
ihre Absicht in Aussicht stellte, die Kosten für verschreibungspflichtige
Medikamente für chronisch Kranke zu begrenzen, verloren Aktien aus dem
Biotechnologiesektor schnell und immens an Wert. Seitdem habe es zwar
Fortschritte bei Preistransparenz und differenzierten Preisstrategien gegeben.
Dennoch bestehe weiteres Verbesserungspotenzial.

Schwellenländer
treiben Branchenwachstum an

In
den etablierten Märkten sehe sich der Gesundheitssektor mit kontinuierlich
sinkenden Renditen für Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie einem
höheren Preisdruck konfrontiert. Dagegen dürften die Unternehmen der
Entwicklungsländer künftig der maßgebliche Treiber für das Branchenwachstum
sein: „Unternehmen in den Schwellenländern, die sich den Zugang zu Medikamenten
und medizinischen Programmen erschließen, sollten rasch an Marktanteilen
gewinnen und zu den Profiteuren im Gesundheitssektor zählen“, erklärt der
Experte.

„War
for Talents“ nimmt zu

Da
Innovation für die Leistungsfähigkeit von Gesundheitsunternehmen besonders
wichtig ist, steigt auch die Bedeutung von geeigneten Mitarbeitern. „Der
Wissenserhalt und die Innovationsfähigkeit zählen insbesondere im Rahmen von
Fusions- und Übernahmetätigkeiten sowie von Unternehmensumstrukturierungen zu
den Schlüsselfaktoren. Deshalb ist eine angemessene Strategie zur Gewinnung und
Bindung von Talenten entscheidend für den langfristigen Erfolg“, sagt Foll.
Allerdings gestalte sich der Wettbewerb um geeignetes Personal besonders
schwierig, weil gerade im forschungsintensiven Gesundheitssektor
hochspezialisierte Fähigkeiten gefragt seien.

Einen besonderen Stellenwert nehme die langfristige
Unternehmensstrategie ein, denn die Produktentwicklung im Gesundheitssektor
könne über ein Jahrzehnt dauern. „Investoren sollten die langfristige
Positionierung des Managements mit Blick auf Forschung und Entwicklung,
Megatrends sowie Übernahmen und Fusionen berücksichtigen. Ein weiteres
wichtiges Kriterium ist die Erfolgsbilanz der Führungskräfte insbesondere bei
den ESG-Faktoren“, lautet das Fazit des Experten.

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