Japan-Aktien sind für investoren interessant

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Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten Staaten und einem stotternden Wachstum in China.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag den sechsten Wahlsieg in Folge eingefahren. Für Anleger ist das eine gute Nachricht. Mit Abe an der Spitze dürfte das Land seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs fortsetzen.

Die Japaner haben sich für die
Fortsetzung des Status Quo entschieden: Die Liberaldemokratische Partei LDP von
Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Sonntag die Oberhauswahl gewonnen – zum
sechsten Mal in Folge. Zusammen mit ihrem aktuellen Koalitionspartner, der
buddhistischen Neuen Gerechtigkeitspartei, kommt die LDP laut offiziellem Wahlergebnis
vom Montag auf 71 Sitze, die Opposition erhält 53 Sitze. Damit kann das
Regierungslager jetzt in der zweiten Kammer des Parlaments 141 von 245 Mandaten
für sich verbuchen. Im Vergleich zu 2013 haben die Regierungsparteien zwar einige
Sitze verloren. Abe präsentierte sich dennoch zufrieden: „Die Japaner haben
gezeigt, dass sie Stabilität wollen. Nicht Chaos. Die Oppositionsparteien haben
keine Vision für Japan“, sagte der Ministerpräsident dem TV-Sender NHK.

An Abes Vision, der sogenannten
Abenomics, arbeitet die Regierung seit dem Jahr 2012. Abe war und ist der
Überzeugung, dass alle profitieren, wenn es der Wirtschaft gut geht. Deshalb war
Abe einst mit dem Versprechen angetreten, Japan aus der Jahrzehntelang
andauernden wirtschaftlichen Stagnation zu befreien. Um den stotternden Motor
wieder zum Laufen zu bringen, hatte der frisch ernannte Premierminister Ende
2012 eine neue Wachstumsstrategie erdacht, die seither seinen Namen trägt. Die
Kernelemente: Höhere Staatsausgaben, eine ultralockere Geldpolitik selbst um
den Preis negativer Zinsen und wachstumsorientierte Strukturreformen.

Die Früchte der Abenomics sind
langsam zu sehen: Im ersten Quartal 2019 ist die Wirtschaft des Inselstaats um
rund zwei Prozent gewachsen – trotz des schwelenden Handelskonflikts mit den Vereinigten
Staaten und einem stotternden Wachstum in China. „Zweifellos hat die
Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung rund um Shinzo Abe zum positiven
Wachstum und der rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenquote beigetragen“,
sagt Christophe Braun, Investmentstratege beim US-amerikanischen Fondsanbieter
Capital Group. Für Anleger ist der Erfolg Abes daher eine gute Nachricht.
Denn unter seiner Führung dürfte die Regierung an der wirtschaftsfreundlichen
Politik festhalten: Alle Japaner sollen weiterhin „den warmen Wind“ der
Abenomics spüren, versprach Abe bereits kurz nach der Wahl.

Steigende Konsumlust

Für Investoren sieht Anlagestratege
Braun in Japan aktuell viele Chancen: So hätten japanische Unternehmen im Jahr
2018 die höchsten operativen Margen seit Jahrzehnten verzeichnet, die
Break-Even-Ratios seien deutlich zurückgegangen. „Insgesamt sind die
Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich zu früher und auch zu anderen
Ländern günstig“, sagt Braun.

Karsten Marzinzik, Investmentstratege
bei Swisscanto Asset Management, sieht das ähnlich. „Das Segment der
japanischen Small und Mid Caps halten wir prinzipiell nicht nur kurzfristig für
eine interessante Beimischung im Aktien-Portfolio, sondern auch auf lange Sicht
für eine sinnvolle Diversifikationsoption“, sagt er. Potential sieht Marzinzik
unter anderem in Unternehmen, die im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. Auch
Wachstumsunternehmen könnten dank neuer Technologien ihr Geschäft in den
kommenden Jahren deutlich ausweiten, prognostiziert der Anlagestratege. Nicht
zuletzt dürften Unternehmen profitieren, deren Geschäftserfolg stark von der Binnennachfrage
abhängt. Denn sollte sich die japanische Wirtschaft in Abes sechster Amtszeit
weiter erholen, dürfte das die Konsumlust der Japaner fördern – und die Kurse inlandsorientierter
Unternehmen beflügeln.