Kames Capital: Erneute Staatspleite in Argentinien?

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Eine erste Reaktion auf den Wahlerfolg von Fernandez war der Zusammenbruch der argentinischen Vermögenswerte.

Ein Kommentar von Gareth Gettinby, Multi-Asset Investment Manager bei Kames Capital.

Die am Sonntag in Argentinien abgehaltenen Vorwahlen führten
zu einem anderen Ergebnis als der Markt erwartete. Der Aufstieg der Populisten
wurde in einem Land wieder entfacht, das begonnen hatte, sich zu stabilisieren.
Alberto Fernandez übertraf den derzeitigen Präsidenten Mauricio Macri mit
deutlich größerem Vorsprung, als in Umfragen vorhergesehen war. Er ist aktuell
der unbestrittene Favorit, um die Präsidentschaft am 27. Oktober zu gewinnen
und im Dezember den Vorsitz zu übernehmen.

Eine erste Reaktion auf den
Wahlerfolg von Fernandez war der Zusammenbruch der argentinischen Vermögenswerte.
Der argentinische Peso fiel gegenüber dem US-Dollar um über 20% und
gleichzeitig schnellten die Anleiherenditen der Nation in die Höhe. Wir gehen
davon aus, dass die argentinischen Vermögenswerte auf absehbare Zeit weiterhin
unter starkem Druck stehen werden. Der Markt fürchtet nun verstärkt die
Wahrscheinlichkeit eines populistischen Präsidenten, der wieder Währungs- und
Kapitalkontrollen einführen könnte und dadurch die Kapitalflucht beschleunigen
würde.

Düstere Aussichten

Die Chancen, dass Macri die Wahl im Oktober gewinnt, sind
aufgrund des Ergebnisses der Vorwahlen und der wirtschaftlichen Auswirkungen
sehr gering. So wird beispielsweise die starke Abwertung des Pesos den
Inflationsdruck weiter erhöhen, während Macri sich um Stimmen bemühen muss. Die
größte Sorge für den Markt ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass Argentinien
angesichts der möglicherweise schwächeren Haushaltslage und mangelnder Glaubwürdigkeit
des Marktes in Zahlungsverzug gerät. Dies ist nicht nur ein Problem für
Argentinien, sondern hätte auch Auswirkungen auf alle Schwellenländer.

Auch für einkommenshungrige Investoren keine Option

Die jüngsten Ereignisse werden Anleger an die bisherigen Rückzahlungsschwierigkeiten
Argentiniens erinnern und zeigen, dass Risiken nicht immer so eintreten wie
erwartet. Werden Investoren für dieses Risiko angemessen belohnt? Wir glauben,
dass Argentinien trotz immer attraktiverer Renditen auf Staatsanleihen und der
Währung ein Land ist, das am besten vermieden werden sollte, selbst von
einkommenshungrigen Anlegern!