Kames Capital: Hat jemand vor Präsidentin Warren?

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Eine Analyse von Euart MacKerron, Fixed Income Investment Analyst bei Kames Capital.

Die Stimmen über einen möglichen Zusammenbruch der
US-Aktienmärkte um diese Zeit im nächsten Jahr – die Tage nach den Präsidentschaftswahlen
2020 – werden immer lauter. Warum dies so ist? Senatorin Elizabeth Warren und
nicht der bisherige Favorit Joe Biden könnte als demokratische Präsidentschaftskandidatin
bestätigt werden. Die Kandidatin, die auf eine Überarbeitung der Steuern, des
Handels, des Gesundheitswesens und vor allem mehr gegen Trump setzt, welcher
sich in seiner ersten Amtszeit seine Pro-Unternehmens Vorhaben an den Mast
nagelte, holt immer mehr auf. Es wäre nicht korrekt zu unterstellen, Warren
wollte, dass Vermögenswerte zusammenbrechen – oder sie in die gleiche Ecke wie
Bernie Sanders zu stellen -, aber sie strebt eine umfassende Überarbeitung der
aktuellen Ordnung an.

Warren schlägt Vermögenssteuern für Spitzenverdiener sowie höhere
Kapitalertragssteuern vor – sie würde Trumps unternehmens- und
marktfreundliches „Tax Cuts and Jobs Act“ von 2017 aufheben.
Gleichzeitig würde Warren eine „Real Corporate Profit Tax“ von 7% auf
jeden Dollar über 100 Millionen Dollar Gewinn einführen. Damit würde nicht nur
die Steuerbelastung der Unternehmen steigen, sondern die größten Unternehmen –
insbesondere die Champions im Silicon Valley und der Wall Street – würden mit
einer möglichen Zerschlagung durch eine Behörde konfrontiert, die auf eine
verstärkte Durchsetzung des Kartellrechts ausgerichtet ist.

Protektionismus könnte ausgeweitet werden

Über ihre eigenen Grenzen hinaus ist Protektionismus eine
Sorge für Märkte und Ökonomen gewesen, seit Trump sein Amt angetreten hat, aber
der Biss könnte unter einer Warren-Regierung noch unerbittlicher werden. Der
sehr öffentlich geführte Krieg der Worte würde wahrscheinlich abkühlen, aber
der Rückzug aus dem Nachkriegsliberalismus könnte sich durchaus ausweiten. Während
Trump allein mit China konfrontiert war, würde Warren mit ziemlicher Sicherheit
an der Seite der EU als einheitlichere Front arbeiten, um Ziele mit strengeren
Voraussetzungen für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu
erreichen. All dies dürfte in Peking und in den Hauptstädten anderer
Handelspartner auf mehr Widerstand stoßen.

Unsicherheiten verstärken Handelsängste

Wir sind noch weit von der Wahl entfernt. Warren steht vor
vielen Hürden, nicht nur Biden und Trump muss sie übertreffen, sondern auch
eine Mehrheit im Senat gewinnen. Die Unsicherheit über das zukünftige Steuer-
und Regulierungssystem könnte jedoch die derzeitige Handelsangst weiter verstärken.
Dies ist eine weitere Sache, um die sich CEOs kümmern müssen, wenn sie über
ihre Investitions- und Einstellungspläne nachdenken.

Euart MacKerron
Euart MacKerron
Euart MacKerron, Fixed Income Investment Analyst bei Kames Capital

Euart MacKerron, Fixed Income Investment Analyst bei Kames Capital