Kehrt der Zins zurück? – Was Berater wissen müssen

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Niedrig- und Negativzinsen sind gekommen, um zu bleiben, so die Überzeugung vieler Finanzprofis. Doch eine kleine europäische Zentralbank in Europa leistet Widerstand und erhöht die Zinsen. Ist der Zinsschwund doch nicht in Stein gemeißelt?

Zinserhöhung
in Tschechien

Für die Zentralbanken stellt sich die schwierige Frage nach dem Abschied von
der extrem lockeren Geldpolitik, die als Medizin verabreicht wurde, um die Folgen
der Finanzkrise zu mildern. Am 6. Februar haben sich jedenfalls in der
tschechischen Nationalbank die Falken durchgesetzt.

Der Leitzins wurde um 25
Basispunkte auf 2,25% angehoben. Jiří Rusnok, Gouverneur der tschechischen Zentralbank
(CNB), verwies allerdings auf eine schwierige Entscheidungsfindung. Die
Bekanntgabe der Zinserhöhung wurde wegen eines entsprechenden Beratungsbedarfs
um eine Stunde nach hinten verschoben.

Die Abstimmung ging mit 4:3 Stimmen für
eine Zinserhöhung denkbar knapp aus. Für viele Marktbeobachter kam die Entscheidung
überraschend. Keiner der im Vorfeld von der Nachrichtenagentur Bloomberg
befragten Analysten 20 Analysten hatte diese Entscheidung erwartet.

Leergefegter Arbeitsmarkt

Die Notenbank reagierte mit dem Zinsschritt auf eine Inflationsrate, die mit
über drei Prozent über dem Ziel-Korridor lag. Eine der wesentlichen Ursachen
für die Teuerung ist der leergefegte Arbeitsmarkt in Tschechien und der damit
verbundene Anstieg der Löhne. Die tschechische Krone hat nach der Zinserhöhung
deutlich gegenüber anderen Währungen aufgewertet. Gegenüber dem Euro notierte
die Krone auf dem höchsten Stand seit acht Jahren.

„Der Zinsschritt zeigt
erneut, dass die tschechische Notenbank eine von global nur noch wenigen
verbliebenen Zentralbanken ist, die eine stabilitätsorientierte Geldpolitik
verfolgen. Ihre Zinspolitik steht in direkter geldpolitischer Tradition der
Bundesbank“, so Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement der Bank
für Kirche und Caritas, zur Anhebung der Zinsen durch die Tschechische
Nationalbank.

Einstieg zum Ausstieg

Nach Auffassung des Frankfurter Bankiers Emmerich Müller, Partner des Bankhauses
Metzler, sollte die EZB ihren Beschluss zur Überprüfung der geldpolitischen
Strategie dazu nutzen, die Negativzinsen auf den Prüfstand zu stellen. „Ich
hoffe, dass wir in absehbarer Zeit zumindest die nominalen Negativzinsen hinter
uns lassen. Sobald es die Umstände erlauben, sollte die EZB den Einlagensatz
anpassen“, erläutert Müller. „Dass diese Negativzinsen auf Dauer eine
erhebliche Auswirkung auf die Stabilität des Finanzsystems haben, ist auch der
EZB geläufig.“ Die anstehende Überprüfung der EZB-Strategie umfasst das
geldpolitische Instrumentarium, die Messung der Inflation und die Kommunikation
der Zentralbank.

Vor dem Hintergrund einer gerade in Deutschland starken Kritik
an der Notenbank hofft Müller auch auf eine verbesserte
Kommunikationsstrategie: „Eine Zinspolitik, die besser kommuniziert wird,
könnte zu einer breiteren Zustimmung in der Öffentlichkeit – auch zum Euro –
führen.” Allerdings geht der Experte nicht von einer substanziellen Änderung
des Zinsniveaus in der Eurozone aus, da es aus seiner Sicht zu viele Schuldner
gibt, die real höhere Zinsen nicht verkraften können.

Grenzen der EZB

Im Unterschied zu ihrem Vorgänger Mario Draghi, der gerne verbal die großen
Geschütze auffahren ließ, wenn es um die Einflussmöglichkeiten der EZB ging,
gibt sich Christine Lagarde hinsichtlich des Handlungsspielraums der EZB bescheidener:
„Das Umfeld aus niedrigen Zinsen und niedriger Inflation schränkt den Spielraum
der EZB und anderer Notenbanken weltweit erheblich ein, die Geldpolitik im
Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs zu lockern.“ Draghi klang mit seiner
Ansagen, beispielsweise alle Instrumente zur Rettung des Euros zu nutzen
(„whatever it takes“), noch deutlich selbstbewusster.

Die neue Bescheidenheit
der EZB-Präsidentin hat allerdings auch eine strategische Komponente. Indirekt
reicht sie, in dem sie die Grenzen der Möglichkeiten der EZB betont, den
Schwarzen Peter an die Politik weiter. Lagarde erwartet von den finanziell
stärkeren Ländern in der EU wie Deutschland deutlich mehr Ausgaben und
Investitionen zur Ankurbelung der Wirtschaft.

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Quelle: BÖRSE ONLINE