Klimaschutz mit Gottes Segen

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Während die Jugend zum globalen Klimastreik aufruft, diskutieren in Fulda christliche Vermögensverwalter über nachhaltige Investments. Es zeigt sich: Die Kirchen liegen mit ihren Grundsätzen zur Geldanlage voll im Trend.

Wer die Schöpfung bewahren will, ist
einerseits per Definition Klimaschützer. Anderseits ist es mit der
Willensbekundung allein nicht getan. Und so diskutieren die christlichen
Kirchen beim 19. Kirchlichen Investmenttag heute und morgen (19./20.9.) in
Fulda ganz praktisch über die Anlagechancen und Risiken, die das Klima für sie
als Investoren bietet und bereithält. Bei dem Treffen von rund 50 Vertretern
diverser Diözesen, Landeskirchen, christlicher Versorgungswerke, kirchlicher
Banken und Ordensgemeinschaften solle es um dreierlei gehen: Man will sich auf
den neuesten Stand der wissenschaftlichen Debatte bringen, die geplanten
EU-Regulierungsschritte diskutieren und sich ganz praktisch über neue
Anlagechancen fürs Kirchenvermögen informieren.

Mitveranstalterin des Kongresses ist
bereits im dritten Jahr die Schweizer Fondsgesellschaft Vontobel Asset
Management – und auch das ist ein Fingerzeig dafür, dass das Thema inzwischen
in der vollen Breite der Investmentindustrie angekommen ist. „Die Kirchen
bewegen sich in einem Spannungsfeld von ethischen Anforderungen, einem
schwierigen Kapitalmarktumfeld und Renditeerwartungen“, sagt Andreas Knörzer,
Leiter Nachhaltige Anlagen bei Vontobel: „Wir wollen aufzeigen, wie sich
nachhaltige und gesellschaftlich verantwortliche Anlagestrategien konkret
umsetzen lassen.“

Protest und Politik zwingen zum Umdenken

Mit dieser frohen Botschaft dürfen
sich die Kirchen durchaus als Trendsetter fühlen, wie der Bad Homburger
Vermögensverwalter Feri bestätigt. „Für Pensionskassen, Stiftungen und andere institutionelle
Anleger wird eine Ausrichtung an Nachhaltigkeitskriterien unverzichtbar“, sagt
Antje Biber, die bei Feri den Bereich Nachhaltigkeit verantwortet. Das hat
nicht nur mit dem deutlich erkennbaren gesellschaftlichem Wandel zu tun, wie
der Aufruf zum inzwischen dritten globalen Klimastreik für diesen Freitag
(20.9.) bestens illustriert. Die Sache hat in der Tat auch eine handfeste
politische Dimension: Die EU-Kommission hat mit ihrem aktuellen Aktionsplan zur
Finanzierung nachhaltigen Wachstums ein klares Signal an die Finanzwirtschaft
gesendet.

Beobachter erwarten schon bald neue
regulatorische Vorgaben, die unter anderem auch neuen Beratungsbedarf bei
Investoren erzeugen werden. Gesetzgeber und Anleger fordern also gleichermaßen
zu mehr Nachhaltigkeit in der Geldanlage auf. „Vor allem die jüngere
Erbengeneration fordert häufig klare Prinzipien für nachhaltige Geldanlage“, berichtet
Feri-Expertin Biber. Es gehe nicht mehr nur darum, welche Rendite ein Vermögen
erwirtschafte, sondern auch, welchen gesamtwirtschaftlichen „Impact“ man damit
erziele, was man also möglicherweise mit seinem Geld als Anleger bewirken
könne.

Kirchen kümmert der Klimawandel schon lang

Bei dieser Sinnsuche befinden sich
die Kirchen in einer durchaus guten Ausgangsposition. Immerhin fordern sie
schon lange Kreditinstitute und Vermögensverwalter dazu auf, sich auf ethisch-nachhaltige
Geschäftsprinzipien zu verpflichten. Als aktive Investoren fordern sie
Unternehmen regelmäßig auf, Menschenrechts- und Umweltstandards einzuhalten,
beispielsweise in der Autoindustrie. Und als Mitunterzeichner des „Global
Investor Statement to Governments on Climate Change“ haben sie zuletzt
gemeinsam andere institutionellen Investoren einen deutlichen Appell an die
G20-Staaten gerichtet, sie mögen alles dafür tun, die Erderwärmung mittelfristig
auf 1,5 Grad zu begrenzen.