Corona, die Zeit und die Bullenfallen

Es ist noch gar nicht lange her, dass Corona nur ein Bier war, es Zinsen auf Geld gab und der Dax ein Rekordhoch erreichte. Seither hat sich alles geändert. Zumindest scheint es so, wenn man die Nachrichten verfolgt. Realistisch betrachtet ist alles beim Alten. Und damit lässt sich arbeiten und Geld verdienen – wenn man nicht in böse Fallen tappt.

Mittlerweile sagt jeder Deutsche jeden Tag wahrscheinlich häufiger Corona als Prost – was gerade im Karneval eine ganz neue Erfahrung war. Aber was eigentlich ist passiert? Ein Virus hat die Wirtschaft infiziert, steckt die Märkte rund um den Globus an und sorgt für Kurseinbrüche. Ja, das stimmt. Auf der anderen Seite wurde der Dax-Stand von gerade im vergangenen Jahr noch als Rekordhoch gefeiert. Mit der Bemerkung, dass die Luft nach oben jetzt dünner wird und vielen Warnungen vor einem Abrutschen der Kurse. Jetzt rutschen die Kurse. Also war es doch vorhersehbar?

Das Virus – der schwarze Schwan – ist in dieser Hinsicht ein Auslöser, ein Katalysator, für eine lange fällige Korrektur an den Börsen. Schon lange haben viele Anleger Angst vor der eigenen Courage – und blieben trotzdem dabei, um nur ja nichts zu verpassen. Manch einer atmet jetzt erleichtert auf, weil es mal wieder Kaufkurse gibt. Diese Sicht aber greift zu kurz.

Das Corona-Virus, wie gefährlich oder nicht es auch sein mag, hat mehr als nur die Börsen getroffen. In China steht ein großer Teil der Wirtschaft buchstäblich still, genauso in den betroffenen Gebieten in Italien und wohl bald in weiteren Regionen weltweit. Es entsteht also neben dem Kursschaden an der Börse auch echter Schaden, Güter werden nicht produziert, Menschen verlieren Kaufkraft, konsumieren weniger – von einer kurzen Sonderkonjunktur wegen Hamsterkäufen abgesehen – und in Folge sinkt die weltweite Nachfrage.

Das sind Effekte, die auf eine ohnehin mit Subventionen der Notenbanken gepäppelte Weltwirtschaft treffen. Und es ist durchaus möglich, dass sich diese Effekte noch aufschaukeln und die Wirtschaft weltweit in einen Abwärtssog gezogen wird. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Märkte und Kurse.

Die Notenbanken werden weiter gegensteuern, auch wenn ihr Handlungsspielraum immer enger wird. So wie heute die FED, die die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt hat. Zinsen auf Geld? Ein Träumer, wer das verlangt, zumindest auf absehbare Zeit. Es gibt also Geld und es fließt nicht oder nur zu einem kleiner werdenden Teil in Zinsanlagen. Das aber bedeutet: steigende Kurse der chancenreicheren Assets wie Aktien. Und noch einmal grundsätzlicher: Unternehmen weltweit werden in jeder Phase der Konjunktur versuchen, Gewinne zu erwirtschaften. Das ist ihre Aufgabe, das haben sie in den vergangenen kapitalistischen Jahrzehnten und Jahrhunderten immer geschafft. Es wird also Geld verdient, Aktionäre werden die Gewinner sein.

Aber nur, wenn sie jetzt nicht blind losrennen. Denn jeder Abschwung birgt die Gefahr, in eine böse Bullenfalle zu laufen. Starker Einbruch, schnelle Erholung – und dann? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es noch einmal abwärts geht, bis der wirkliche Aufstieg wieder beginnt. Insofern muss niemand jetzt hektisch nachkaufen – wobei ein klein wenig durchaus sinnvoll sein kann.

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von Uwe Zimmer, Geschäftsführer Fundamental Capital GmbH, Hennef