Das Ende des Anlagenotstands

Die heiß gelaufene Börse, bei der jeder Marktteilnehmer händeringend nach Möglichkeiten für eine Überrendite suchte, wurde durch den Pandemie-Crash erst einmal abgekühlt. Statt noch so abstruse Ideen zu sichten und womöglich auch zu kaufen, heißt es jetzt wieder: es sind gute Aktien zu vernünftigen Preisen zu haben. Die Analyse muss allerdings angepasst werden.

Das billige Geld der Notenbanken hatte eine fast beispiellose Blase genährt: Während die Inflation der Verbraucherpreise niedrig blieb, kletterten die Preise der Vermögenswerte immer weiter. Und dass, obwohl es deutliche Warnzeichen für eine volkswirtschaftliche Abkühlung gab, obwohl auch manche Kursniveaus nicht mehr mit der Erwartung künftiger Gewinne zu rechtfertigen waren. Die Liquidität sorgte für einen Anlagenotstand. Dieser ist jetzt erst einmal vorüber.

Das bedeutet auch, dass viele fundamental starke Papiere jetzt wieder zu guten Preisen zu haben sind. Statt also das Heil in immer exotischeren Regionen, marketinggetriebenen Branchen oder auch sehr alternativen Investments zu suchen können sich Investoren jetzt wieder auf die Suche nach wirklich guten Unternehmen machen. Unternehmen, die es mit ihrem Geschäftsmodell schaffen, jetzt und in Zukunft Gewinne zu erzielen. Die so aufgestellt sind, dass sie eine Krise durchstehen und eher gestärkt daraus hervorgehen.

Der ganz fundamentale Blick in die Bilanz genau wie der umfassende auf Lieferketten und Abnehmer wird dabei wieder wichtiger. Wer hätte gedacht, dass Nachhaltigkeit so bald so wichtig werden würde? Nachhaltigkeit im Sinne guter Unternehmensführung zumal. Nachhaltigkeit, das Unternehmen am Leben und am Arbeiten zu halten, während ringsum vieles zusammenbricht. Für viele ist es eine ganz neue Erfahrung, sich mit dem Ausfall von Zulieferern herumschlagen zu müssen, dem Ausfall von Transportwegen und dem Wegfall einer Nachfrage.

Diese Kategorien halten nun verstärkt Einzug in das Research. Das ist schön, zeigt aber, dass manch einer Unternehmensführung wirklich nur als Schönwetterkapitänerie angesehen hatte. Wichtig ist was passiert, wenn es haarig wird.

Viele Unternehmen haben gezeigt, dass sie mit den Einschränkungen gut zurechtkommen. Die Daten zeigen, dass auch viele Bilanzen tadellos in Ordnung sind. Wo sich beides trifft kann gekauft werden. Das betrifft Unternehmen vom breiten Markt genau wie aus Nischen, etwa Unternehmen aus der Branche Wasserstoff genauso wie auch aus dem Bereich Öko-Food. Hier ist weiterhin zu erwarten, dass sie den Markt outperformen werden.

Befeuert wird es allerdings erneut vom locker sitzenden Geld der Zentralbanken und von den neuen Staatsschulden. Gut möglich also, dass es erneut zu einer Blasenbildung kommen wird. Ausgehend von den jetzigen Niveaus ist aber noch eine ganze Menge Luft nach oben. Irgendwann aber, und das ist der Schatten, der über dem positiven Szenario liegt, irgendwann müssen die Schulden zurückgezahlt werden. Und das wird einen erneuten Einschnitt bedeuten.

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von Uwe Zimmer, Geschäftsführer Fundamental Capital GmbH, Hennef