Welche Crise?

3 Milliarden Menschen unter «lock-down». Historischer Einbruch des Wachstums in China. 30 Millionen Arbeitslose in sechs Wochen in den USA und die Märkte steigen.

Uns ist zu der Reaktion der Marktteilnehmer in den letzten Wochen John M. Keynes und seine Beschreibung der «Animal Spirits» in den Sinn gekommen: “Even apart from the instability due to speculation, there is the instability due to the characteristic of human nature that a large proportion of our positive activities depend on spontaneous optimism rather than mathematical expectations, whether moral or hedonistic or economic. Most, probably, of our decisions to do something positive, the full consequences of which will be drawn out over many days to come, can only be taken as the result of animal spirits—a spontaneous urge to action rather than inaction, and not as the outcome of a weighted average of quantitative benefits multiplied by quantitative probabilities.”

Der Optimismus der Marktteilnehmer ist bemerkenswert. Die Hoffnung auf eine schnelle Überwindung der Crise ist allgegenwärtig – denn die «Öffnung» der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens steht bevor. Doch eines ist auch klar – niemand kann mit Sicherheit sagen, dass es von nun an nur noch aufwärts geht. Diese Einschätzung ist – trotz gewohntem Eingreifen der Zentralbanken und Auftun des Staatskässelis – durchaus spekulativ. Die Folgeschäden von Nationalismus («Kampf um Schutzmasken»), Egoismus («Kampf um Toilettenpapier») und Konsumrückgang sind längst nicht absehbar. Auch das Risiko einer zweiten Infektionswelle im Herbst ist nicht völlig auszuschliessen.

Risikoaversion mit Jo-Jo-Effekt

Interessant finden wir vor allem die «Entwicklung» der Risikoaversion von Marktteilnehmern. War diese zu Beginn des Jahres noch auf Rekordtief, stieg die Risikoaversion bis Mitte März auf ein Rekordhoch, nur um mittlerweile wieder dem um sich greifenden Optimismus zu weichen. Dabei wäre es ratsam gewesen, jeweils antizyklisch zu agieren. Das wohl bekannteste Zitat von Warren Buffett scheint uns hier einmal mehr passend: “Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful.”

Wer nicht im März zu deutlich niedrigeren Kursen gekauft hatte und nun dem Markt hinterherläuft, steckt in einem Dilemma. Wer defensiv positioniert bleibt: Der hofft darauf, dass sich die Crise zeitnah wieder verschärft. Wer die Rally der letzten Wochen nicht mitgenommen hat und jetzt in den Markt geht, kauft zu deutlich höheren Preisen und riskiert bei einem erneuten Absacken der Märkte nochmals auf die Nase zu fallen. Für den durchschnittlichen Anleger ist das taktische agieren in volatilen Marktphasen fast unmöglich und meist nicht ratsam. Positionen halten war die Minimaldevise.

Halten Sie Ruhe, Kurs und Balance

Es ist augenscheinlich, dass der Technologiesektor Profiteur der Crise ist (das Stichwort Amazon sollte genügen). Hier Beschleunigen sich Entwicklungen der letzten Jahre hin zu einer durch Technologie dominierten Welt. Zudem ist es nicht abwegig, dass der Fokus auf Gesundheit weiter steigt – Pharma, BioTech und MedTech profitieren. Darüber hinaus haben Konsumgüter des täglichen Bedarfs einmal mehr ihren defensiven Charakter unter Beweis gestellt und sind weiterhin ein stabilisierender Faktor im Portfoliokontext. Zuletzt – und zum wiederholten Male in den letzten Jahren – empfehlen wir Gold als Absicherung gegen den Kaufkraftverlust der durch Zentralbanken manipulierten Zahlungsmittel. Bei allem was Sie tun – wir raten zu Ruhe, Kurs und Balance.

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von Dr. Patrick Cettier, Geschäftsführender Partner der Prio Partners GmbH in Zürich/ Schweiz