Kommt das Ende des Immobilienbooms?

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In Deutschland warnen Experten schon lange vor einer Blase. So attestiert die Beratungsfirma Empirica dem deutschen Immobilienmarkt Preisübertreibungen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt steigen die Preise für Häuser und Wohnungen. Nun mehren sich die Zeichen, dass der Boom bald enden könnte. Ein Expertengremium der Europäischen Zentralbank warnt sogar: Da könnte eine Blase platzen.

Wer in Deutschland ein Haus oder eine
Wohnung erwerben will, muss tief in die Tasche greifen: Im Schnitt müssen
Hauskäufer pro Quadratmeter 1.860 Euro auf den Tisch legen, zeigt eine aktuelle
Statistik des Onlineportals Immowelt. Bei einem Einfamilienhaus mit einer
Wohnfläche von rund 250 Quadratmetern sind das satte 465.000 Euro, die
Eigentümer finanzieren müssen. Und das ist nur der Durchschnitt über alle Lagen
und Regionen: In Metropolen wie Köln, Hamburg oder München liegen die Preise
deutlich höher. Nicht selten scheitert der Traum vom Eigenheim daran, dass
Hauskäufer in Spe das nötige Eigenkapital nicht aufbringen können, das Banken oft
für das Darlehen fordern.

Experten der Europäischen Zentralbank
melden nun, dass für Kaufinteressenten bald bessere Zeiten anbrechen könnten.
In seinem Jahresbericht warnt der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes in Europa. Anhaltende Preisanstiege
bei Wohn- und Gewerbeimmobilien deuteten in mehreren EU-Staaten auf
Überbewertungen hin, schreiben die Risikowächter. Außerdem würden sich
Privathaushalte für die Finanzierung ihrer Immobilie zunehmend verschulden. Der
Immobilienmarkt sei dadurch anfällig, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld
verschlechtert. Sollte der Markt einen „bedeutenden Abschwung“ durchleben,
drohen Banken und anderen Immobilienfinanzierern Verluste, warnt der Ausschuss.

Die Autoren nennen keine Ländernamen.
In Deutschland warnen Experten allerdings schon lange vor einer Blase. So attestiert
die Beratungsfirma Empirica dem deutschen Immobilienmarkt Preisübertreibungen:
In neun von zwölf Großstädten erkennen die Marktforscher eine erhöhte
Blasengefahr. Betrachtet man sämtliche 401 Landkreise der Bundesrepublik, so
zeigen sich laut Empirica in 288 Kreisen Symptome einer Überhitzung.

Angebot übertrumpft Nachfrage

Auch auf dem Mietmarkt mehren sich
die Zeichen, dass die Preise den Zenit erreicht haben könnten. Mit F+B und
Empirica liefern gleich zwei renommierte Adressen Hinweise darauf, dass die
Mieten an stark nachgefragten Standorten in diesem Jahr weniger stark angezogen
haben als im Vorjahr – oder sogar leicht zurückgegangen sind. Das Hamburger
Marktforschungsinstitut F+B betrachtet die Preisentwicklung bei Wohnungen mit
75 Quadratmetern Wohnfläche, die zehn Jahre alt sind und deren Ausstattung als
normal klassifiziert ist. In diesem Segment blieben die Mieten zuletzt gegenüber
den ersten drei Monaten des Jahres stabil, berichten die Marktforscher.

Die Berater von Empirica beobachten
seit 2017 einen Rückgang der Mietsteigerungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg,
München, Köln und Frankfurt am Main. Aktuellen Analysen zufolge sind die Mieten
2019 mit 2,6 Prozent so langsam gestiegen wie seit 2014 nicht mehr. „Offenbar
wächst die Nachfrage nicht mehr so viel schneller als das Angebot“, fassen die
Marktforscher den Status Quo zusammen. Die Gründe: Der Zuzug ebbt etwas ab,
zudem steigen die Einkommen langsamer. Vor allem aber scheinen die Bemühungen
der Politik, den Wohnungsbau anzukurbeln, langsam Früchte zu zeigen: „Der
Neubau hat Fahrt aufgenommen“, berichten die Marktforscher.