Mehr Rendite mit intelligenter Anleihengewichtung

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Einkommen zu sichern
stellt dieser Tage eine allgemeine Herausforderung dar. Menschen leben länger
als je zuvor, der Ruhestand dauert länger an und die Lebenshaltungskosten
steigen. Und überall auf der Welt suchen Anleger nach Möglichkeiten, höhere
Erträge zu erwirtschaften.

Die Zinsen sind
in vielen Teilen der Welt historisch gesehen noch immer vergleichsweise
niedrig. Für Anleger wäre es daher sinnvoll, über traditionelle Anleihen hinaus
zu blicken, oder zumindest über die traditionellen Möglichkeiten hinaus, am
Anleihenmarkt zu partizipieren. Dabei ist zu beachten, dass das Spektrum der
festverzinslichen Produkte in den letzten zehn Jahren nicht nur durch die
neueren Möglichkeiten zur Gewichtung traditioneller festverzinslicher
Wertpapiere oder deren Auswahl aufgrund ihres Risikos gegenüber einem
bestimmten Faktor erweitert wurde, sondern auch durch die Auswahl neuerer
festverzinslicher Wertpapiere.

Intelligentere
Anleihengewichtung 

Die meisten
traditionellen Anleihenindizes sind beispielsweise marktkapitalgewichtet. Das
bedeutet, dass sie Unternehmen, Regierungen und Stellen, die mehr Schulden
begeben, mehr Gewicht verleihen – das erscheint uns kontraintuitiv. Bei
WisdomTree glauben wir, dass es logischer ist, Wertpapiere nach
Fundamentaldaten zu gewichten.

Im
Fixed-Income-Bereich glauben wir, dass wir die Rendite steigern können, indem
wir die Indexbestandteile auf der Grundlage ihrer Rendite gewichten und nicht
durch Fremdkapitalaufnahme.  Vorbehaltlich wichtiger Einschränkungen, die
eine Diversifizierung sicherstellen, würden jene Unternehmen, die höhere
Renditen zahlen, stärker gewichtet. Mit diesem Denken als Dreh- und Angelpunkt
in unserem Indexaufbauprozess können wir einen weit gefassten Benchmark, wie
den Bloomberg Barclays Euro Treasury Bond Index, nehmen und ihn so neu
gewichten, dass er ein höheres Risiko für Unternehmen mit höherem Einkommen
bietet, anstatt für Unternehmen, die einfach nur mehr Schuldtitel emittieren. Einen
berechtigten Sorgenpunkt stellt hierbei die Tatsache dar, dass höhere Erträge
das Risikoprofil gegenüber dem Referenzindex beeinträchtigen könnten. Dem
tragen wir Rechnung, indem wir den Trade-off zwischen den Risikofaktoren für
gemeinsame Anleihen optimieren und innerhalb dieses Wertpapieruniversums eine
möglichst hohe Rendite erzielen. 

Neue Alternativen

Darüber hinaus
bestehen neue Arten festverzinslicher Wertpapiere wie Contingent Convertible
Bonds. Diese Anleihen sind als CoCos bekannt und erlangten vor einigen Jahren
große Beliebtheit in Europa, da das Basel-III-Rahmenwerk die Emission solcher
Papiere mit dem Ziel förderte, die finanzielle Gesundheit systemrelevanter
Banken sicherzustellen und potenzielle systemweite Schocks zu vermeiden. CoCos
sollen es den Banken ermöglichen, die neuen Kapitalanforderungen unter Basel III
zu erfüllen und potenzielle Verluste zu absorbieren, ohne diese an die
Steuerzahler weiterzugeben. Beispielsweise können AT1-CoCos – eine weit
verbreitete Art von CoCo-Anleihen in Europa – als zusätzliches Kernkapital
(„Additional Tier 1 Capital“) betrachtet werden.

Je nach Zweck der
Lancierung werden CoCos wie der Name schon sagt bei Eintritt eines bestimmten
Auslöserereignisses (Trigger) entweder von einer Anleihe in einen Aktientitel
umgewandelt oder zum Teil abgeschrieben. Fällt die Kapitalquote einer Bank,
z.B. die CET1-Quote (Common Equity Tier 1), unter einen zuvor festgelegten
Schwellenwert, wird dies als mechanischer Trigger bezeichnet. In anderen
Fällen, in denen Zweifel in Bezug auf die Zahlungsfähigkeit einer Bank
bestehen, kann von regulatorischer Seite eine Umwandlung in Aktien oder eine
Abschreibung ausgelöst werden, um die Kapitaladäquanz der Bank sicherzustellen.
Bei den meisten CoCo-Anleihen handelt es sich um Papiere ohne Endfälligkeit.
Bleibt ein Trigger aus, wird nach dem angegebenen Kündigungsdatum
(üblicherweise rund fünf Jahre nach der Erstemission) ein variabler Kupon
gezahlt. 

Merkmale von AT1-CoCos: illustratives Beispiel
Merkmale von AT1-CoCos: illustratives Beispiel

Quelle:
illustratives Beispiel von WisdomTree

Der Reiz höherer
Renditen

Einer der größten
Anreize von CoCo-Anleihen besteht in ihrer höheren Rendite im Vergleich zu
anderen konventionellen festverzinslichen Wertpapieren. Derzeit weist der
Index, der liquide AT1‑CoCos aus den europäischen Industrieländern nachbildet,
eine Rendite von knapp über 6,5 Prozent auf.[1]
Im Vergleich dazu sind es bei einigen Indizes für europäische Hochzinspapiere
knapp über 4%.[2]

Die höhere
Rendite von CoCo-Anleihen im Vergleich zu konventionellen Hochzinspapieren
ergibt sich aus der Vorrangigkeit in der Kapitalstruktur und nicht aus dem
Bonitätsrisiko des Emittenten. Die Kupons von CoCo-Anleihen können gekündigt,
deren Kapital abgeschrieben und sie selbst in Aktien umgewandelt werden. Damit
sich das Engagement bei CoCo-Anleihen für Anleger angesichts dieser
potenziellen Risiken lohnt, bedarf es einer gewissen Vergütung, die in diesem
Fall in einer höheren Rendite zum Ausdruck kommt. 


[1] iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index,
Stand: 05.
November 2018, Markit.

[2] Siehe beispielsweise iBoxx EUR Liquid High Yield
Index, Stand: 05. November 2018 und Bloomberg Barclays
Pan-European High Yield Index, Stand: 05.
November 2018, Markit und Bloomberg.