M&G Investments: Schwellenländeranleihen – Rück- und Ausblick 2020

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Wie haben sich eigentlich die Schwellenländeranleihen 2019 entwickelt und was passiert wohl 2020? Damit beschäftigt sich Claudia Calich, Fondsmanagerin des M&G (Lux) Emerging Markets Bond Fund, in ihrem aktuellen Kommentar.

„2019
erwies sich als ein spektakuläres Jahr für die meisten Anlageklassen,
und die Anleihen der Schwellenländer bildeten hier keine Ausnahme. Die
Renditen wurden durch eine Kombination aus zunächst günstigeren
Bewertungen und auch durch die Kehrtwende der Fed und der
darauffolgenden Kursrally in den USA getrieben. Einige Hauptrisiken
wurden ausgepreist, darunter der Handelskrieg zwischen den USA und China
nach der Ankündigung des Phase-1-Deals.

Die
Anlageklasse ist wesentlich diversifizierter als Anfang der 2000er
Jahre: Heute sind fast 80 Länder vertreten, während es damals weniger
als 20 waren. Viele Länder, darunter auch Brasilien, konnten ihr
Schuldenprofil unter anderem dadurch verbessern, dass sie sich stärker
in ihrer Landeswährung statt über Auslandskredite finanzierten. Dies
erhöhte die Widerstandsfähigkeit und senkte das Ansteckungsrisiko.

Ausblick auf 2020

Die
Erträge des letzten Jahres werden sich wahrscheinlich 2020 nicht
wiederholen. Das liegt vor allem daran, dass die Anfangsbewertungen,
insbesondere bei den Spreads, aber auch bei den lokalen Zinssätzen,
ungünstiger sind. Hier nun drei Szenarien für die weitere Entwicklung.
Sie gehen von parallelen Spread- oder Renditeverschiebungen aus und
beinhalten den anfänglichen Carry, nicht aber die Differenz der
Renditebewegungen im Jahresverlauf.

Szenario A: Unverändert

Das
unveränderte Szenario – was in den Schwellenländern fast nie passiert –
zeigt die Renditen, wenn alles konstant bleibt: im Wesentlichen also
Renditen, die nur auf dem Carry und ohne Währungsbewegungen gegenüber
dem US-Dollar basieren.

Szenario B: Hausse

Ein
Aufwärtsszenario würde ein unterstützendes makroökonomisches Umfeld
widerspiegeln, in dem sich das Wachstum in vielen aufstrebenden
Volkswirtschaften verbessert, die USA sich nur leicht verlangsamen, die
Zentralbanken der Industrieländer weiterhin eine lockere Geldpolitik
verfolgen und die globalen geopolitischen Risiken, von denen es viele
gibt, nicht zunehmen.

Szenario C: Baisse

Ein
Baisse-Szenario spiegelt ein schwierigeres makroökonomisches Umfeld mit
einer weiteren Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums wider
oder ein Szenario einer weniger akkommodierenden Politik der globalen
Zentralbanken und steigender Inflation, einer Verschärfung der
geopolitischen Risiken oder politischer Fehler in verschiedenen
Volkswirtschaften.

Schwellenländeranleihen
Schwellenländeranleihen
Schwellenländeranleihen

Da
nur wenige Zentralbanken der Emerging Markets die Zinsen in diesem Jahr
weiter senken werden, dürften in allen Szenarien eher die Währungen als
die Zinsen der wichtigste Renditetreiber sein. Die meisten
Zentralbanken – egal ob in Schwellenländern oder Industriestaaten – sind
inzwischen am Ende des geldpolitischen Lockerungszyklus oder stehen
kurz davor, so dass der Spielraum für eine Rally der lokalen Zinsen
deutlich geringer ist.

Trotz
der günstigen Bewertungen der Schwellenländerwährungen bleibe ich in
meiner Asset Allocation angesichts der Unsicherheit der verschiedenen
geopolitischen Risiken und der möglichen Auswirkungen auf den US-Dollar
insgesamt neutral positioniert. Ähnlich wie bei meiner Einschätzung für
2019 gehe ich nicht davon aus, dass die Asset Allocation ein
wesentlicher Treiber für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung sein
wird, sondern eher die Positionierung an den Märkten und, in geringerem
Maße, in bestimmten Ländern, sowie ein angemessenes Risikomanagement.

Auch
wenn Schwellenländeranleihen im Vergleich zu der Bewertung vor einem
Jahr nicht günstig scheinen, haben die meisten anderen Anlageklassen wie
Aktien oder US-High Yield ebenfalls deutlich zugelegt. So könnte die
Anlageklasse also relativ gesehen in einem Umfeld anderer, niedrig
verzinslicher Anlagen immer noch attraktiv sein.“