Milliarden für mehr Grün

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Mit dem Klimapaket der Bundesregierung kommen Investitionen in Klimaschutz und Treibhausgasreduzierung erst langsam in Fahrt. Vor allem Bahn und grüne Energien werden profitieren.

Greta
Thunberg war von Angela Merkels Klimapaket nicht begeistert. Viel zu
wenig täten die Industriestaaten dafür, die Erderwärmung aufzuhalten. So
klagte sie auf der Klimakonferenz in New York, wo sie sich mit der
Kanzlerin traf. Auch bei Wirtschaftswissenschaftlern und Banken fiel das
Paket durch. Mutlos, umständlich, zu unkonkret – so das Gros der
Vorwürfe.

Selbst für die Konjunktur bringe das 54-Milliarden-Paket wenig. „Pro
Jahr dürfte der Effekt auf das Bruttoinlands­produkt kaum mehr als 0,1
Prozent betragen“, sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa der DWS.
Gesamtwirtschaftliche Impulse sehen anders aus.

Zunächst kaum Belastungen

Vor allem die zögerliche Einführung eines CO2-Preises
auf alle fossilen Energien in Industrie, Verkehr und Gebäuden
verhindere die zügige technologische Umstellung auf energiesparende und
grüne Technologien. Bisher unterliegen nur die Energieerzeuger und große
Industrieanlagen dem Emissionshandel. Sie müssen bei zu hohem Ausstoß
rund 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) bezahlen. Alle anderen sollen
2021 mit nur zehn Euro je Tonne starten. Das mache am Beispiel Benzin
und Diesel gerade einmal drei Cent pro Liter aus, monieren die
Experten. Viele hatten gefordert, sofort mit mindestens 30 Euro je Tonne
zu starten, damit Deutschland seine internationalen Verpflichtungen zur
CO2-Minderung bis 2030 erfüllen kann. Dieser Preis wird laut Klimapaket
nun erst 2024 gelten.

Weil sie am Anfang kaum etwas in ­zusätzlichen Klimaschutz investieren
müssen, werden auf die deutschen Unternehmen zunächst auch kaum
Belastungen zukommen, sagt Henrik Pontzen, Leiter Nachhaltigkeit im
Portfoliomanagement von Union Investment.

Das ändert sich, wenn die Preise steigen. Bei 30 Euro je Tonne CO2 beliefen sich die Extrakosten laut einer Union-
Invest-Studie im gesamten DAX
auf 5,2 Milliarden Euro im Jahr. Die fallen an, wenn die Firmen Abgase
und den fossilen Energieverbrauch nicht konsequent minderten.
Mittelfristig stehen vor allem die Unternehmen der Chemiebranche (BASF, Covestro, Linde), der metallverarbeitenden Industrie (Thyssenkrupp), des Fahrzeugbaus (BMW, Continental, Daimler, VW) und des Baugewerbes (HeidelbergCement) unter Handlungsdruck. Sie setzen besonders viel Treibhausgase im Produktionsprozess frei.

Continental, Infineon, Fresenius, Fresenius Medical Care und die Deutsche Telekom
könnten dagegen in der Lage sein, schnell Emissionen zu senken und
sogar von Entlastungen zu profitieren. Laut der Schweizer Großbank UBS dürfte im DAX speziell Siemens die steigende Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien spüren.

Neben der Industrie sollen auch Deutschlands Gebäude klimafreundlich
werden. Dort entfällt das Gros des Energiebedarfs auf die Wärme- und
Kälte­erzeugung. Weil es keine direkten Auflagen gibt, sind große
Wohnungsgesellschaften wie Deutsche Wohnen
durch das Klimapaket nicht negativ betroffen, schätzt Pontzen. Für
Wärmedämmung gibt es üppige Investitionsanreize. Anbieter CO2-sparender
Baustoffe wie die badische Sto oder die irische Kingspan können so auf
zusätzliche Geschäfte hoffen.

Alternativen zu Ölheizungen

Unter den fossilen Wärmeträgern legt die Regierung den Fokus vor allem
auf Heizöl. Neue Ölheizungen dürfen ab 2026 nur noch in Ausnahmefällen
eingebaut, alte sollen mit finanzieller Hilfe ausgemistet werden.
Stattdessen werden erneuerbare Wärmequellen wie Holz
und Gasheizungen unterstützt, die mit sauberen Energien wie Biogas,
Wasserstoff und Solarthermie kombinierbar sind. Zu den Profiteuren
könnten Anbieter von großen Solarwärmeanlagen wie die finnische Savosolar zählen. Brennstoffzellenheizungen und Wärmepumpen werden ebenfalls gefragt sein – gut für Hersteller wie Ballard, Ceres Power und SFC Energy.

Für einen CO2-armen Verkehr will die Bundesregierung die Infrastruktur
an Ladesäulen weiter ausbauen und Kauf­anreize für Hybrid-, Elektro- und
Wasserstoffautos ausweiten. Der deutschen Automobilindustrie hilft das
erst einmal wenig, weil sie bei diesen Technologien selbst Nachholbedarf
hat.

Goldene Zeiten für Bahnausrüster

Großer Gewinner des Klimapakets ist die Bahn. 86 Milliarden Euro sollen
Bund und Bahn bis 2030 in die Modernisierung des Streckennetzes und des
Wagenparks investieren. Zusätzlich gibt der Bund jährlich eine Milliarde
Euro an Eigenkapital dazu. So muss die Deutsche Bahn die Investitionen
nicht mehr komplett aus dem operativen Gewinn tätigen und ständig die
Ticketpreise erhöhen. Zusammen mit einer Stärkung des öffentlichen
Nahverkehrs sowie der Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Tickets könnte
der Bahnverkehr in Deutschland vor einem neuen Boom stehen. Ausrüster
wie Alstom oder Knorr-Bremse rollen goldenen Zeiten entgegen.

Bei der Stromerzeugung können sich insbesondere die Solartechnik­anbieter und Kraftwerksbetreiber wie SMA und Encavis
über sonnige Aussichten freuen. Denn das Klimapaket hat Beschränkungen
für die Förderung von Solarstrom gestrichen. Neue Solarprojekte bleiben
damit auf absehbare Zeit attraktiv. Zugleich werden Batterien als
Stromspeicher bessergestellt. Das nützt Herstellern wie Varta.

Je mehr in Klimaschutz investiert wird, desto größer werden auch die
Möglichkeiten für Anleger. Große Pensionskassen und Versicherer wie die Allianz
haben auf dem Klimagipfel in New York angekündigt, Portfolios im Wert
von zwei Billionen Euro CO2-neutral zu stellen. Allerdings erst bis
2050. Die Kritik von Greta Thunberg für das langsa­me Facelift wird
ihnen sicher sein.

Investor-info

Greeneffects NaI-WerteFONDS – Breites Natur-Portfolio

Anleger, die direkt in Branchen investieren wollen, die vom Klimapaket
profitieren, können den Greeneffects-Aktienfonds wählen. Der orientiert
sich am Naturaktienindex NAI, in dem 30 Werte nach strengen
Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt sind. Der Schwerpunkt liegt auf
europäischen Aktien, darunter Spezialisten wie Tomra (Recycling), Mayr-
Melnhof (Kartonagen aus Re­cyclingpapier) und Vestas (Windkraft).

LBBW Global Warming – Konkrete Gegenmaßnahmen

Der LBBW Global Warming richtet sich an Investoren, die breit und
branchenübergreifend in europäische Unternehmen investieren, die sich
des Problems der Erderwärmung bewusst sind. Fondsmanager Christoph
Keidel investiert in Firmen, deren Lösungen helfen, den CO2-Ausstoß zu
mindern sowie mit den Folgen umzugehen. Der LBBW Global Warming zählte
in den vergangenen zehn Jahren zu den erfolg­reichsten Fonds in der
Kategorie Ökologie.