Mit Income gegen das Zinstief

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Multi-Asset-Income-Fonds gelten als neue Geheimwaffe gegen die Zinsflaute bei Sparprodukten. Tatsächlich haben sich die Fonds in den vergangenen fünf Jahren gut geschlagen, zeigt eine aktuelle Studie. Doch die höhere Rendite gibt es nicht umsonst.

Mario Draghi hat den Euro gerettet
und Sparer zu Deppen gemacht. In den acht Jahren seiner Amtszeit flutete der
Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kapitalmärkte in beispielloser Art
mit billigem Geld und zerstörte zugleich jede Chance auf Zinserträge mit sicheren
Anleihen. Auf der Suche nach Alternativen wenden sich mittlerweile sogar die
traditionell risikoscheuen Deutschen verstärkt Investmentfonds zu, zeigt eine
Untersuchung der Fondsratingagentur Scope. Besonders beliebt sind sogenannte
Multi-Asset-Fonds, die in verschiedene Anlageklassen gleichzeitig investieren
und damit möglichst schwankungsarme Renditen in allen Börsenphasen versprechen.
Sogenannte Multi-Asset-Income-Fonds liegen dabei in der Gunst weit vorn. Die
Produkte werben mit regelmäßigen Ausschüttungen, die über dem Niveau anderer
Investmentfonds liegen sollen.

Tatsächlich haben Income-Fonds in den
vergangenen fünf Jahren besser abgeschnitten als andere Multi-Asset-Produkte,
zeigt die Scope-Untersuchung. Den größten Unterschied beobachteten die
Analysten in der Vergleichsgruppe „Multi-Asset flexibel“. Hier übertrafen
Income-Fonds Produkte ohne Ausschüttungen um rund 3,2 Prozentpunkte im Jahr. Der
Grund: „Die Fonds haben ihre Allokation in höherverzinsliche Wertpapiere wie
Emerging-Markets-Anleihen und High-Yield-Bonds in den vergangenen Jahren
signifikant erhöht, auch um ihre Ausschüttungsversprechen zu halten“, sagt
Scope-Analyst Martin Fechtner. Anders gesagt: Anleger erkaufen sich die höheren
Ausschüttungen mit einem höheren Risiko. Denn Hochzins-Papiere im
Fondsportfolio werden statistisch gesehen häufiger ausfallen als andere besser
bewertete Anleihen.

Das Risiko steigt

Für die Branche ist dieses Risiko
überschaubar. Jakob Tanzmeister, Investmentspezialist in der
Multi-Asset-Solutions-Gruppe von J.P. Morgan, hält hochverzinste Bonds weiterhin
für attraktiv. „Emittenten von Hochzinsanleihen haben das hohe Umsatzwachstum
der letzten Jahre genutzt, um ihren Verschuldungsgrad deutlich zu senken, und
die Zinsdeckungsquoten nähern sich ihren zyklischen Höchstständen“, sagt Tanzmeister.
Hochzinsanleihen würden derzeit auf US-Dollar-Basis im Schnitt gut sechs
Prozent Rendite erwirtschaften, während die Ausfälle über alle Hochzinssegmente
hinweg nur bei etwa 2,5 Prozent liegen – und damit „weit unter dem
langfristigen Durchschnitt von 3,6 Prozent“, sagt Tanzmeister.

Die zehn größten Multi-Asset-Income-Fonds
mit globalem Investitionsfokus verwalten zusammen mehr als 80 Milliarden Euro,
zeigen die Scope-Daten. Von den 15 größten Produkten haben die Analysten elf
bewertet – acht davon mit einem Top-Rating von A oder B. „Das ist eine
außergewöhnlich hohe Konzentration von Top-Ratings“, sagt Analyst Fechtner.

Gleichwohl: Je länger das Nullzinsumfeld
andauert, desto schwerer haben es auch Income-Manager, ihre Ertrags- und
Ausschüttungsversprechen zu halten. Weil bei sicheren Staatsanleihen nichts
mehr zu holen ist, Investoren im Gegenteil bei vielen Bonds sogar draufzahlen
müssen, haben mittlerweile nämlich auch andere Anleger den Hochzinsbereich für
sich entdeckt. Die erhöhte Nachfrage steigert die Preise und drückt die Renditen.
Das wiederum setzt die Branche unter Druck, immer weiter ins Risiko zu gehen.

Die größten gemischten Income-Fonds im Überblick

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Quelle: Scope