Nachhaltigkeit: BVI übt Kritik an EU-Taxonomie

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Die Europäische Kommission hat nun erklärt, wie ihrer Meinung nach nachhaltige Investments aussehen sollen. Der deutsche Fondsverband BVI hat sich den Bericht der EU-Experten angesehen und fordert Nachbesserungen.

Die Europäische Kommission will im Rahmen ihres Sustainable-Finance-Programms mehr Investitionen in nachhaltige Projekte lenken. Dafür muss in einem ersten Schritt zunächst einmal genau definiert werden, was als nachhaltig gilt. Die Expertengruppe, die diese Frage klären soll, hat nun ihren Bericht vorgelegt. Darin wird eine sogenannte Nachhaltigkeits-Taxonomie vorgestellt, die Investoren helfen soll, einzuordnen, ob und in wie weit bestimmte Wirtschaftsaktivitäten ökologisch nachhaltig sind. Der Report legt in diesem Zusammenhang für jede Branche entsprechende Kriterien fest.

Auf Basis dieses Klassifizierungssystems werden weitere Gesetzesinitiativen entwickelt. Dazu zählt unter anderem die Einführung verbindlicher Nachhaltigkeitskriterien für Anbieter von Investmentfonds oder auch andere institutionelle Anleger wie etwa Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds, Vermögensverwalter oder auch Anlageberater. Sie werden in Zukunft aufgrund der EU-Taxonomie Richtlinien erhalten, wie sie die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG-Faktoren) in ihren Investitionsprozessen zu berücksichtigen haben. Der EU-Taxonomie kommt also weitreichende Bedeutung für die Finanzbranche zu.

Fondsbranche sieht Nachbesserungsbedarf

In der Fondsbranche ist der Bericht der EU-Kommission mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Der Fondsverband BVI erkennt positiv an, dass die Expertengruppe das Klassifizierungssystem nicht auf hundertprozentig „grüne“ Aktivitäten beschränken will, sondern Abstufungen zulässt. Unternehmen, die den schrittweisen Übergang in die klimaneutrale Wirtschaft anstreben oder diesen ermöglichen, würden auf diese Weise ermutigt, statt bestraft, so der BVI in einer Stellungnahme.

„Allerdings gehen uns die Leitlinien zur klimabezogenen Berichterstattung durch Portfoliounternehmen nicht weit genug“, kritisiert Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI, den Bericht der EU-Experten. „Damit Asset Manager ihre Aufgabe künftig erfüllen können, benötigen sie detaillierte Informationen der Portfoliounternehmen zur ökologischen Nachhaltigkeit ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Eine ESG-Reportingpflicht der Portfoliounternehmen ist jedoch bislang nicht vorgesehen, auch nicht für Staaten“, so Richter.

BVI fordert mehr Praxisnähe und Freiwilligkeit

Für praxisfern hält der BVI zudem die vorgeschlagenen Taxonomie-Vorgaben für Asset Manager. Hintergrund: Diese sollen nicht nur jede einzelne Geschäftsaktivität eines Portfoliounternehmens auf deren positiven Beitrag zu einer klimaneutralen Wirtschaft prüfen, sondern darüber hinaus per Due Diligence sicherstellen, dass diese Aktivitäten keine anderen Umweltschutzziele beeinträchtigen. „Um letzteres leisten zu können, müssten Asset Manager entweder zusätzlich interne Analyseressourcen aufbauen oder auf externe Dienstleister zurückgreifen. Der personelle und finanzielle Aufwand hierfür muss jedoch verhältnismäßig bleiben“, fordert der BVI. Der Fondsverband schlägt vor, die Taxonomie-Vorgaben für Fonds nur dann verpflichtend zu machen, wenn sie ein offizielles Öko-Label oder -Siegel verwenden möchten.

Damit eröffnet der BVI die Diskussion um Nachbesserungen. Die europäischen Branchenverbände können noch bis September Stellung zum Taxonomie-Report beziehen. Im Dezember will die EU-Kommission den nächsten Schritt zur Umsetzung angehen.