Neue Prognosen für 2019/2020 – Synchronisierung der Weltwirtschaft?

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Dr. Mathilde Lemoine, Group Chief Economist von Edmond de Rothschild, hat ihre halbjährliche Konjunkturprognose veröffentlicht. Ihre wichtigsten Einschätzungen für 2019 und 2020.

  • Die negativen Auswirkungen der Zollerhöhungen werden sich
    verstärken, und das globale Wachstum dürfte sich weiter verlangsamen auf 3,3%
    für das Gesamtjahr 2019
  • Der Rückgang der Exporte in die USA wird sich deutlich auf
    die chinesische Wirtschaft und die Schwellenländer insgesamt auswirken
  • Aktivismus der Zentralbanken oder eine expansive
    Fiskalpolitik in der Eurozone könnten die Konjunkturabkühlung bremsen.

Der
bereits zu beobachtende Rückgang des Handels zwischen den USA und China
und die Verlangsamung des Welthandels dürften sich angesichts der
Verschärfung der Handelsspannungen weiter verstärken. Eine Synchronisierung
der wichtigsten Volkswirtschaften und die Entscheidung der
Zentralbanken, die Liquidität zu erhöhen, könnten das Risiko einer
Destabilisierung der Anleihe- und Devisenmärkte paradoxerweise
begrenzen.

Unsere
Wachstumsprognosen für 2019 haben wir für China auf 6,4% und für die
Schwellenländer von 4,8% auf 4,1% gesenkt. Wir rechnen weiterhin mit
einem Wachstum von 2,7% in den USA und 1,4% in der Eurozone. Sofern die
USA Zölle auf alle Einfuhren aus China erheben, würde das chinesische
Wachstum bei sonst gleichen Bedingungen Ende 2019 auf 5,1% sinken.
Allerdings würde die Regierung Xi Jinping in dem Fall neue
Konjunkturmaßnahmen beschließen.

Andererseits
könnte eine Einigung zwischen Donald Trump und Xi Jinping am Rande des
G20-Gipfels, der am 28. und 29. Juni 2019 in Japan stattfinden wird, die
nominalen Wachstumserwartungen stützen. Dies hätte aber auch einen
massiven Anstieg der Renditen von Staatsanleihen und eine Aufwertung des
US-Dollar zur Folge, was wiederum die Aktienindizes belasten würde.

  • Erstens wurden die Zölle erhöht und die Liste der
    betroffenen Waren erweitert.
  • Zweitens, mit dem Dominoeffekt des „Tax cuts and job Acts“,  dürften sich die Investitionen in den USA
    weiterhin verlangsamen. Das Land ist nach wie vor der größte Importeur der Welt
    vor der Europäischen Union und China.
  • Drittens gleicht das chinesische Konjunkturprogramm den
    Exportrückgang zwar zum Teil aus, ist aber nicht darauf ausgelegt, das Wachstum
    im Jahr 2019 auf über 6,5% anzuheben. Dies belastet die Nachfrage nach
    Rohstoffen. Die Schwellenländer leiden daher unter dem neuen Wachstumsziel der
    chinesischen Regierung von 6% bis 6,5% und nicht mehr rund 6,5%.

China und die anderen Schwellenländer spüren die sinkenden Exporte in die USA

Die
chinesischen Exporte in die USA sind zwischen dem vierten Quartal 2018
und dem ersten Quartal 2019 um 30% gesunken. Doch auch die Exporte nach
Asien sind anders als Ende 2018 zurückgegangen. Während das chinesische
Konjunkturprogramm zu einer Belebung der Infrastrukturinvestitionen
geführt hat, sind die Auswirkungen auf den Konsum und die
Industrieproduktion nach wie vor gering.

Das
chinesische Wachstum könnte sich daher bei rund 6,4% stabilisieren.
Dies reicht nicht aus, um die Wirtschaft in den Schwellenländern
anzukurbeln. Unternehmen, die Waren in die USA exportieren, dürften
somit Schwierigkeiten haben, Ersatzmärkte in China zu finden.

AKTIVISMUS DER ZENTRALBANKEN UND WACHSTUM IN DER EUROZONE KÖNNTEN DIE GLOBALE KONJUNKTURABKÜHLUNG BREMSEN

Der
Aktivismus der Zentralbanken könnte die Abkühlung des globalen
Wachstums mindern. Darüber hinaus dürfte sich das US-Wachstum zwar
verlangsamen, dank der Steuersenkungen zur Förderung von Investitionen,
die auf die Steigerung der Produktivität ausgerichtet sind, aber solide
bleiben. Zudem stützt eine höhere Produktivität tendenziell das
Wachstum.

Das
Wachstum in der Eurozone könnte sich dank einer expansiven
Fiskalpolitik und höheren Kaufkraft der Privathaushalte nach unseren
Prognosen bis Ende 2019 leicht auf 1,5% erhöhen. Eine Lockerung der
Haushaltspolitik in Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien könnte
das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Eurozone nach unseren Berechnungen
um 0,4 Prozentpunkte steigen lassen.

Während sich die Abschwächung der
US-Importe voraussichtlich negativ auf die europäischen Exporte
auswirken wird, wurde die mögliche Anhebung der US-Zölle auf europäische
Autos auf den Herbst verschoben. Und schließlich wird der neue
Präsident der Europäischen Zentralbank, wer auch immer das sein wird,
keine wesentlichen Änderungen an der Geldpolitik vornehmen können.

Das
Eurosystem ist mit einem erneuten Kreditrückgang im Süden konfrontiert.
Die Kredite an privatwirtschaftliche Unternehmen gingen in Italien im
ersten Quartal um -0,4% und in Spanien um -1,7% gegenüber dem Vorjahr
zurück, während sie in Frankreich durchschnittlich um 6,5% und in
Deutschland um 6,1% zunahmen.

In der Eurozone wird daher weiterhin eine
akkommodierende Geldpolitik bevorzugt, wobei die Umsetzung
makroprudenzieller Maßnahmen empfohlen wird, um die Bildung von Blasen
zu verhindern, wie dies insbesondere in Frankreich oder Belgien bereits
geschehen ist. Darüber hinaus könnte ein Anstieg der Risikoprämien durch
die Wiederanlage fälliger Staatsanleihen und neue
Refinanzierungsgeschäfte, die dann gegebenenfalls angekündigt würden,
eingedämmt werden.

FAZIT

Aus
unterschiedlichen, die USA und die Eurozone betreffenden Gründen,
könnte sich der Wachstumsunterschied zwischen den beiden
Wirtschaftsräumen trotz der Verschärfung des Handelskriegs im Laufe des
Jahres 2019 verringern. Dies würde die weltweite Konjunkturabkühlung vor
dem Hintergrund einer Zunahme der globalen Liquidität bremsen. Eine
neue Runde von US-Strafzöllen würde das globale BIP nach unseren
Berechnungen allerdings um 1% sinken lassen.

Die halbjährliche Konjunkturprognose von Dr. Mathilde Lemoine, Group Chief Economist von Edmond de Rothschild, können Sie auch als PDF hier downloaden.