Olivier de Berranger: Die Bilanz für Europa fällt günstig aus

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Während der Blick auf Europa positiv ist, enttäuschten die Konjunkturdaten aus den USA und den Schwellenländern. Im Handelsstreit zwischen den USA und China wurden die Hoffnungen auf rasche Gesprächsergebnisse gedämpft, kommentiert Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei LFDE.

Die letzte Februar-Woche war prall gefüllt mit Veröffentlichungen wichtiger Wirtschaftsdaten und offizieller Erklärungen. Die Bilanz für Europa fällt eher günstig aus, weil sich die Konjunkturdaten nun scheinbar endlich nicht mehr weiter verschlechtern. So lag der endgültige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone leicht über den Erwartungen, da positive Überraschungen bei den Daten aus Frankreich und Italien die enttäuschenden Zahlen aus Spanien wettmachen konnten. Veröffentlicht wurden auch mehrere Erhebungen zum Verbrauchervertrauen, deren Ergebnisse den Erwartungen ebenso entsprachen wie die Zahlen für das BIP-Wachstum Frankreichs und Spaniens im 4. Quartal. Zudem stützt die schwache Inflation in Frankreich und der Eurozone die jüngsten akkommodierenden Äußerungen der Europäischen Zentralbank, die demnach keinen Grund für eine Korrektur ihrer Haltung hat.

Das zentrale Ereignis war jedoch die Kehrtwende von Theresa May. Während die britische Premierministerin bis dato darauf beharrt hatte, dass das Vereinigte Königreich die Europäische Union (EU) am vorgesehenen Datum, also am 29. März, verlässt, gab sie schließlich dem Druck von vielen Seiten – darunter aus ihrem eigenen Lager – nach und kündigte an, den Abgeordneten die Entscheidung über eine Verschiebung des Brexit-Termins zu überlassen, um einen ungeregelten Austritt zu vermeiden. Eine Lösung, für die sich die EU offen zeigte, wie Ratspräsident Donald Tusk bekräftigte, der dies für „eine vernünftige Lösung“ hält. Falls die Parlamentarier die geänderte Fassung des Ende November mit Brüssel geschlossenen Austrittsabkommens ablehnen, wird Theresa May sie am 13. März fragen, ob sie einen ungeregelten Austritt wünschen, und ihnen im Falle der Ablehnung tags darauf einen Antrag für eine „kurze und begrenzte Verlängerung der Frist von Artikel 50“ vorlegen. Gelingt dem Vereinigten Königreich und der EU keine Einigung, so könnte mit dieser Verschiebung zumindest kurzfristig ein „No Deal“-Szenario umgangen werden.

Aus den USA und den Schwellenländern kamen dagegen weniger erfreuliche Nachrichten. In den USA waren die Konjunkturdaten trotz einer zweiten über den Erwartungen liegenden Schätzung des BIP-Wachstums für das 4. Quartal 2018 durchwachsen, wobei insbesondere der ISM-Index und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe enttäuschten. Die Stimmung wurde jedoch vor allem durch die Äußerungen von Robert Lighthizer eingetrübt. Denn der Handelsbeauftragte und Chefunterhändler für die Gespräche mit China teilte mit, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Ländern zu schwerwiegend seien, um durch das bloße Versprechen, mehr US-Produkte zu kaufen, beigelegt zu werden. Er bekräftigte zudem, dass jede Einigung ein Mittel zur Überprüfung dessen beinhalten müsse, ob China seinen Zusagen nachkommt. Dies dämpfte die Hoffnungen derjenigen, die auf rasche Gesprächsergebnisse gesetzt hatten.

In den Schwellenländern enttäuschte der amtliche chinesische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Er fiel auf 49,2 gegenüber erwarteten 49,5 und somit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2016. Diese Nachricht wurde von den Anlegern negativ aufgenommen, obwohl sich der Index für die Dienstleistungen auf einem zufriedenstellenden Niveau hält (54,3) und der Index für das verarbeitende Gewerbe, der von der Agentur Caixin ermittelt wird, deutlich über den Erwartungen lag.

Diese Zweiteilung zeigte sich auch im Renditeniveau. So erzielten europäische Aktien in den verbleibenden Februar-Tagen eine Outperformance. Ist dies nur als Randnotiz zu werten oder als Hinweis auf künftige Trends?