Platzt die Immobilienblase?

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In vielen Regionen Deutschlands steigen die Immobilienpreise deutlich. Allerdings ist der Preisanstieg in knapp zwei Dritteln der EU-Länder, mit möglicherweise fatalen Folgen, noch höher.

Immobilienboom
und kein Ende

In einer aktuellen Studie der Commerzbank werden die Risiken steigender Wohnimmobilienpreise
in den EU-Ländern in den Blick genommen. Dabei ziehen die Experten Parallelen
zum Immobilienboom vor der Lehman-Pleite. Der Commerzbank-Ökonom Marco Wagner
verweist darauf, dass sich in Deutschland allein im vergangenen Jahr
Wohnimmobilien um fünf Prozent verteuert haben. In 17 Ländern der EU seien die
Preise im vergangenen Jahr sogar um mehr als fünf Prozent gestiegen. Der
Immobilienboom, der in Deutschland schon seit 2010 laufe, hätte dazu geführt,
dass die Preise deutschlandweit etwa 15 Prozent über dem Preisniveau liegen,
was die Bewertungsmodelle der Commerzbank als fundamental gerechtfertigt ausweisen
würden.

Ungarn an der Spitze

Einen überdurchschnittlich hohen Anstieg stellt die Commerzbank in Ungarn fest.
Seit mehreren Jahren würden die Wohnimmobilienpreise dort prozentual
zweistellig zulegen. Im vergangenen Jahr lag der Zuwachs bei 15 Prozent. Mit
einem Anstieg um neun Prozent im vergangenen Jahr haben sich Häuser in
Portugal, Luxemburg, Tschechien und Kroatien stärker verteuert als in Deutschland.
In den Niederlanden und Polen lag der Preiszuwachs bei acht Prozent. Einzig in
Italien sind die Preise leicht zurückgegangen. Eine Sondersituation liegt nach
Auffassung der Commerzbank in Frankreich vor. Obwohl die Immobilienpreise in
den vergangenen Jahren im Schnitt nur um drei Prozent gestiegen sind, sei die
Gefahr einer Immobilienblase gegeben. „In Frankreich haben sich die
Häuserpreise in den zehn Jahren vor Lehman weit mehr als verdoppelt, und eine
Korrektur im Zuge der Finanzkrise hat quasi nicht stattgefunden“, erläutert die
Commerzbank. Die Analyse bezieht sich auch auf Aussagen des Europäischen
Ausschusses für Systemrisiken (ESRB), dem der jeweilige Präsident der
Europäischen Zentralbank vorsitzt. Bereits im vergangenen Jahr, also noch unter
dem EZB-Präsidenten Mario Draghi, wurde im Jahresbericht des ESRB darauf
verwiesen, dass beim Anstieg der Wohnimmobilienpreise in einigen EU-Ländern
Anzeichen für eine Überbewertung festzustellen seien. Das gilt aus Sicht der
ESRB auch für Gewerbeimmobilien. Als einer der Gründe in diesem
Immobilien-Sektor wurde die Rendite-Jagd von Investoren genannt. Die
Commerzbank geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank auch unter ihrer
neuen Präsidentin Christine Lagarde an der extrem lockeren Geldpolitik
festhalten wird. Das würde die Immobilienpreise weiter anheizen.

Warnende Stimmen

Die Bundesbank hatte sich zur Immobilienpreis-Entwicklung zuletzt im Finanzstabilitätsbericht etwas
zurückhaltender geäußert. Das Institut sieht in einigen deutschen Großstädten
eine Übertreibung, geht aber nicht von einer Blase aus. Allerdings führt sie
einen weiteren Aspekt ins Feld, der in engem Zusammenhang mit dem Anstieg der
Immobilienpreise steht. Anlass zur Sorge aus Sicht der Bundesbank gibt die
Tatsache, dass durch den Anstieg der Preise auch das Kreditvolumen zulegt.
Jeder zweite Kredit in Deutschland würde zur Finanzierung von Immobilienkäufen
verwendet. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der Kredite eine Laufzeit von mehr
als zehn Jahren aufweisen würde. Kritisch sieht die Notenbank zudem die
Tatsache, dass die Kredite mit teilweise zu optimistischen Annahmen
hinsichtlich des Wertes der Immobilien besichert würden. Auch die Schweizer UBS
sieht Warnzeichen am Immobilienmarkt. In einer aktuellen Studie wurde die
Immobilienpreisentwicklung in 24 Metropolen weltweit untersucht. Die Ergebnisse
wurden im vergangenen Jahr im Global Real Estate Bubble Index veröffentlicht. In
der Eurozone sind nach Ansicht der UBS-Experten Paris und Amsterdam sowie
Frankfurt am Main in besonders hohem Maß von einer Blasenbildung betroffen.
Unangefochten an erster Stelle mit der höchsten Gefährdung steht nach Ansicht
der UBS-Experten allerdings München.