PRIIP-Flop: Basisinformationsblätter auf dem Prüfstand

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Verbraucherschützer fanden in zahlreichen BIBs in den Vorhersagen zur Rendite nicht nachvollziehbare und teils unlogische Renditeangaben.

Unverständlich, verwirrend, widersprüchlich: Das Urteil über die 2018 eingeführten Basisinformationsblätter für Finanzprodukte fällt vernichtend aus. Fatal auch: Sie werden kaum gelesen.

Basisinformationsblätter (kurz: BIB) sollten Anlegern Produkte leichter verständlich machen und ihnen bei Kaufentscheidungen helfen. Das jedenfalls war die Idee der Regulierer, die insbesondere den Verkauf sogenannter „Verpackter Investmentprodukte“ (packaged retail investment and insurance products, kurz: PRIIP) transparenter und verbraucherfreundlicher gestalten wollten. Doch die zu Beginn des vergangenen Jahres neu eingeführten BIBs kommen weder bei Beratern noch bei Anlegern gut an. Selbst Verbraucherschützer kritisieren die Infoblätter als nicht zielführend.

Wenig Akzeptanz bei Kunden und Beratern

Wie stark die BIBs den Anspruch eines besseren Anlegerschutzes verfehlen, zeigt nun eine aktuelle Umfrage des Fachmagazins Der Zertifikateberater (DZB). Von den beinahe 140 teilnehmenden Anlageberatern in Banken und Sparkassen geben nicht einmal zehn Prozent an, dass die Basisinformationsblätter für ihre Kunden verständlich seien. Lob bekommt das BIB nur bei 3,3 Prozent der Berater. Erschreckend: Beinahe 80 Prozent der Berater sagen, dass ihre Kunden die Dokumente inzwischen gar nicht mehr ansehen.

BaFin mit ernüchternder PRIIP-Bilanz

Die Umfrage des DZB bestätigt einen Trend, der sich schon bei einer Umfrage der BaFin Mitte des Jahres abzeichnete: Danach gaben mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent), die nach dem 3. Januar 2018 eine Wertpapiertransaktion getätigt hatten, an, den Kostenausweis in den Informationsblättern nicht gelesen zu haben. Als Grund gaben die Befragten (64 Prozent) an, dass die Informationen zu umfangreich oder für sie nicht von Interesse (24 Prozent) gewesen seien.

PRIIP-Kritik der Verbraucherzentrale

Ob Aufsichtsbehörde, Finanzindustrie oder Verbraucherschützer: In ihrer Kritik sind sich die verschiedenen Interessengruppen in den meisten Punkten einig. Zu den von ihnen aufgezählten Mängeln zählen vor allem unverständliche Performance-Szenarien und verwirrende, zum Teil widersprüchliche Angaben zu den Kosten. In einer Untersuchung Ende vergangenen Jahres fasste zum Beispiel die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg die PRIIP-Schwächen prägnant zusammen:

So fanden die Verbraucherschützer in zahlreichen BIBs in den Vorhersagen zur Rendite nicht nachvollziehbare und teils unlogische Renditeangaben. Ein Basisinformationsblatt der DekaBank beispielsweise gab für das Stressszenario eines Bonus-Zertifikats eine negative Rendite an. Für ein pessimistisches Szenario desselben Zertifikats errechnete die Bank nach einem Jahr noch eine Rendite von 48 Prozent. Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Vergleichbarkeit. Denn die Informationsblätter vieler Anbieter sind nicht einheitlich gestaltet. Zudem seien Zahlen und Leistungsdaten nicht konkret genug, monierten die Verbrauchschützer. Die Angabe von Spannen – etwa bei Kosten und Risikoklassen – böten keine ausreichende Orientierung.

Fazit: Es gibt noch viel zu tun.