Reflektionen zum Handelskonflikt

Schlagworte: ,
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China flammt seit Sonntag völlig überraschend wieder auf und eskalierte heute mit der Anhebung der Zölle.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China flammt seit Sonntag völlig überraschend wieder auf und eskalierte heute mit der Anhebung der Zölle von 10 % auf 25 % auf Importe aus China in Höhe von 200 Mrd. USD. Offensichtlich will US-Präsident Trump damit mehr Zugeständnisse Chinas in den weiter laufenden Handelsgesprächen bewirken.

Ein Grund für die Eskalation zum jetzigen Zeitpunkt könnte sein, dass US-Präsident Trump mit einer Arbeitslosenquote von nur 3,6 % im April und mit etwa 7,5 Mio. offenen Stellen in den USA aus einer Position der Stärke agieren kann.
Die chinesische Wirtschaft zeigte zuletzt erste Stabilisierungstendenzen nach einer längeren Schwächephase, die mit einer tendenziell steigenden Arbeitslosenquote (Mittwoch) einherging. Eine Eskalation des Handelskonflikts könnte die Verbesserungstendenzen bei der chinesischen Industrieproduktion (Mittwoch) sowie bei den chinesischen Einzelhandelsumsätzen (Mittwoch) wieder umkehren und einen merklichen Konjunkturabschwung in China verursachen – umso mehr, als Chinas Exporte zuletzt schon sehr schwach waren.

Trump nimmt mit erneuter Eskalation auch weltweiten Konjunkturabschwung in KaufMit der Eskalation des Handelskonflikts nimmt USPräsident Trump aber auch in Kauf, dass Unbeteiligte darunter leiden und ein weltweiter Konjunkturabschwung drohen könnte. So startete die Weltwirtschaft zwar mit einer hohen synchronen Wachstumsdynamik ins Jahr 2018, die sich im weiteren Jahresverlauf aber deutlich abschwächte, weil die Unternehmen ihre Investitionsausgaben merklich kürzten. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Zurückhaltung auf die hohe Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Handelskonflikte zurückzuführen war.

Daher halten wir eine ähnliche Reaktion der Unternehmen auf den sich jetzt wieder zuspitzenden Handelskonflikt zwischen den USA und China für möglich. Der ZEW-Index (Dienstag) könnte hierfür schon erste Warnsignale liefern. Die Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone (Dienstag) dürften dagegen noch die Erholungstendenzen im März widerspiegeln.

Gegenschritte von China als schwieriger BalanceaktDa sich grundsätzlich kein Land erlauben kann, auf internationalem Terrain Schwäche zu zeigen, gehen wir davon aus, dass China bald Gegenschritte beschließen wird. Allerdings steht die Regierung in Peking dabei vor der kniffligen Aufgabe, die USA mit höheren Zöllen zu „bestrafen“, ohne sich ins „eigene Fleisch“ zu schneiden. Denn wenn China Strafzölle auf US-Waren erheben würde, auf die China unbedingt angewiesen ist, könnten die US-Produzenten entsprechend die Preise anheben, sodass im Endeffekt die chinesischen Konsumenten die Zeche zahlen müssten.

Gleichzeitig will China mit seinen Strafzöllen vor allem US-Produzenten in Wahlkreisen treffen, die US-Präsident Trump bei den nächsten Präsidentschaftswahlen verlieren könnte. Die chinesischen Strafzölle würden dann Donald Trumps Chancen auf seine Wiederwahl als US-Präsident reduzieren.

Studie: Strafzölle Chinas von Anfang 2018 waren politisch wirksam

In einer Studie1 kommen Wissenschaftler der Universität Warwick in Coventry/Großbritannien zu dem Ergebnis, dass die Anfang 2018 beschlossenen chinesischen Gegenschritte sehr erfolgreich politischen Schaden für Donald Trump und die Republikanische Partei angerichtet haben.

Um die Wirksamkeit der Zölle als politisches Instrument nachzuweisen, untersuchten die Autoren, inwieweit die Vergeltungszölle – nicht nur Chinas, sondern aller betroffenen Länder – die Wahlergebnisse der Republikanischen Partei in den US-Zwischenwahlen 2018 beeinträchtigten. Sie fanden dabei heraus, dass republikanische Politiker in den Wahlkreisen, die von den Strafzöllen besonders betroffen waren, zwischen 1,4 und 2,7 %-Punkten weniger Stimmen erhielten. Allerdings musste China dafür einen hohen Preis zahlen: Das Land ist sehr auf US-amerikanische Agrarimporte angewiesen, für die es nur wenige Bezugsalternativen auf den Weltmärkten gibt.
Die EU erhob dagegen Strafzölle auf US-Güter, zu denen es zahlreiche Bezugsalternativen auf den Weltmärkten gibt, und traf damit vor allem US-Produzenten in „Swing“-Wahlkreisen. Das hängt damit zusammen, dass die USA Güter und Dienstleistungen für etwa320 Mrd. USD in die EU ausführen, während sie nur für etwa 120 Mrd. USD nach China exportieren. US-Präsident Trump wird es sich daher sehr gut überlegen, ob er tatsächlich vor den US-Präsidentschaftswahlen einen Handelskonflikt mit der EU vom Zaun brechen will.

USA: Gute Konjunkturdaten zu erwarten

Ansonsten werden noch in den USA das Unternehmensvertrauen der KMUs (Dienstag), die Einzelhandelsumsätze (Mittwoch), die Industrieproduktion (Mittwoch) sowie der Philadelphia Fed Index (Donnerstag) veröffentlicht. Insgesamt dürften die Daten zeigen, dass die US-Volkswirtschaft weiter solide wächst.Auch lohnt ein Blick auf den frühzyklischen Wohnimmobilienmarkt. Dazu werden ebenfalls in der nächsten Woche Daten veröffentlicht: von der National Association of Home Builders – NAHB (Mi) und zu den Baubeginnen und -genehmigungen (Do).