Ring frei im Preiswettkampf: Initiatoren bezahlen Investoren

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In den USA ist ein ETF aufgelegt worden, bei dem der Emittent die Investoren für den Einstieg mit einem Rabatt belohnt. Was wie ein Marketing-Gag klingt, ist die logische Fortsetzung des immer härter werdenden Verdrängungswettbewerbs in der Fondsbranche.

Als im August vergangenen Jahres Fidelity den ersten Fonds auf dem Markt brachte, bei dem Investoren keine Gebühren mehr bezahlen müssen, sorgte das für ein Beben in der Branche. Der Kampf um Marktanteile war in eine neue Runde eingetreten und die Frage lautet seitdem: Wie tief können die Fees sinken – und wer hält den Preiswettkampf am längsten aus? Eigentlich, sollte man meinen, sollten die großen Anbieter den längeren Atem haben, denn sie können mehr von größeren Reserven zehren und verfügen durch Skaleneffekte in Vertrieb und Verwaltung auch über die bessere Kostenstruktur.

Nun geht der bis dato fast unbekannte US-Asset-Manager Salt Financial aus New Yorknoch einen Schritt weiter und will Anleger dafür bezahlen, dass sie ihr Geld in seinen Fonds stecken. Fünf Basispunkte Rabatt verspricht er Investoren, die im ersten Jahr einsteigen. Das klingt zuerst einmal nach einem cleveren Marketing-Gag. Die ETF-Boutique Salt hat ihren Firmensitz in der 22 Straße in New York, fünf Kilometer von der Wall Street entfernt in einem unscheinbaren Gebäude, Tür an Tür mit Musikproduzenten und Werbeagenturen, Kreativität ist eine New Yorker Primärtugend. Und viele amerikanische Erfolgsgeschichten haben noch kleiner begonnen. „Der Krieg um die Fondsgebühren ist jetzt ein PR-Krieg“, schrieb Morningstar-Analyst Ben Johnson jüngst auf Twitter.

Im vergangenen Jahr belief sich das Minus der Fondsbranche in den USA aus entgangenen Gebühren auf 3,5 Milliarden US$, seit 2014 sind es rund sechs Milliarden, berichtet das Research-Unternehmen Flowspring. Und kommt zu dem Schluss, dass man die Auswirkungen niedriger Fondsgebühren keinesfalls unterschätzen sollte: Bei der Analyse von Daten zu Investmentfonds und ETFs in den zwölf Monaten bis Mitte 2018 fand Flowspring heraus, dass Preisveränderungen von Produkten für Umverteilungen in Höhe von 480 Milliarden US$ verantwortlich waren. Und dass die am niedrigsten bepreisten neuen Fonds im ersten Jahr drei mal schneller Kapital einsammeln konnten als die teuersten Fonds.

Der Trend geht zu billig
Der Trend geht zu billig

Quelle: Bloomberg

Vor zwei Monaten hat Salt Financial nun die Zulassung eines Fonds mit
negativen Gebühren bei der SEC beantragt: Der Salt Low truBeta US Market
ETF
kommt zwar mit einer Management-Fee von 0,29 %, aber der Emittent bietet einen Rabatt von 34 Basispunkten  – was effektiv eine Gutschrift von fünf Basispunkten für die Anleger bedeutet. Dieser
Preisnachlass gilt allerdings nur im ersten Jahr und bis derFonds ein Volumen von 100 Millionen US$ erreicht hat. Der ETF basiert auf dem hauseigenen truBeta-Index und hat niedrige Volatilität und stabiles Beta zum Ziel.
Das Anlageuniversum besteht aus US-amerikanischen Large- und Midcaps.

Salt-Chef Alfred Eskandar entschloss sich zu diesem ungewöhnlichen Angebot,
nachdem er sich schwer getan hatte, im vergangenen Jahr Kapital für
einen anderen ETF einzusammeln. Zwar bestand Interesse auf Seiten von
Finanzberatern, doch wollten deren Kunden erst in den Fonds
investieren, wenn ein Mindestvolumen von 100 Millionen US$ erreicht war.
Diese Schwelle soll durch den Preisnachlass jetzt schneller überschritten
werden.

In den USA haben Anleger derzeit die Auswahl unter 2.238 ETFs mit einem Volumen von 3.800 Milliarden US$. Um aus der Masse
herauszustechen, müssen sich Emittenten also etwas einfallen lassen.
Salt-CEO Eskandar vergleicht den Rabatt auf seinen Fonds mit einem
Gratis-Handy, das Mobilfunkanbieter beim Abschluss eines neuen Vertrags
oben drauf packen, um Kunden zu ködern.  Erst nach dem Abschluss, erklärt Eskandar, geht es
darum, den Kunden durch Performance und guten Service bei der Stange zu halten.
Emittenten von neuen ETFs hätten zwei Möglichkeiten: „Entweder geben
sie ihr Bestes, um die sechs Jahre zu überleben, die es im Schnitt braucht,
bis ihr Fonds ein Volumen von 100 Millionen Dollar erreicht – oder sie unternehmen etwas
drastisches, um schneller ans Ziel zu gelangen.“

Warren Miller, Chef der Marktforscher von Flowspring, geht davon aus, dass negative Gebühren am Markt kein vorübergehendes Phänomen sein werden: „Viele Wege führen nach Rom und es gibt viele Möglichkeiten, einen Fonds zu füllen“, schrieb er jüngst und verweist darauf, dass einige Manager von Index-Fonds mittlerweile mehr Geld mit dem Verleih von Wertpapieren als durch Gebühreneinnahmen verdienen.