Robeco: Sektoren, die positiv zu den UN-Nachhaltigkeitszielen beitragen, haben ein geringeres Bonitätsrisiko

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Marktsegmente mit positiven oder neutralen SDG-Scores haben besser abgeschnitten als solche mit negativen Scores.

Unsere Analysen historischer Wertentwicklungsdaten bestätigen, was wir in der Praxis beobachten: In Segmenten des Markts für Unternehmensanleihen mit positiven oder neutralen Sustainable Development Goal (SDG)-Scores ist das Risiko einer Bonitätsverschlechterung geringer als in solchen mit negativen SDG-Scores.

In aller Kürze

  • Wir haben Risiko und Ertrag sowie die Zahlungsausfälle in 50
    Segmenten des Markts für Unternehmensanleihen über einen
    5-Jahres-Zeitraum untersucht
  • Marktsegmente mit positiven oder neutralen SDG-Scores haben besser abgeschnitten als solche mit negativen Scores
  • Ein SDG-Screening kann zur Verringerung von Abwärtsrisiken in Portfolios für Unternehmensanleihen beitragen

Identifikation der Unternehmen mit Zukunft

Wir sind der Ansicht, dass die
Einbeziehung der SDGs in eine Anlagestrategie ein Bewusstsein für die
möglichen zusätzlichen Risikoquellen in einem Portfolio schafft. Die im
Jahr 2015 von der UN formulierten Ziele zur nachhaltigen Entwicklung
(SDGs) sind mittlerweile ein weithin akzeptierter Rahmen für die
Einschätzung des Verhaltens von Unternehmen in Bezug auf ESG-Aspekte und
ihre Nachhaltigkeitscharakteristik.

Diejenigen Unternehmen und Sektoren, die Lösungen anbieten, die zur
Erreichung der SDGs beitragen, könnten durchaus die künftigen Gewinner
sein – außerdem attraktive Anlagekandidaten. Umgekehrt könnten solche Unternehmen und Sektoren, die nicht den SDGs entgegenarbeiten
mit schwerwiegenden operationellen und finanziellen Folgen konfrontiert
sein, darunter Strafzahlungen, Entzug von Lizenzen und Risiken für die
Reputation, wodurch letztlich ihre Attraktivität für Anleger leiden
könnte.

Um diese Vorteile zu erfassen und Risiken besser zu steuern,
verwendet Robeco ein hausinternes SDG-Screening, das auf dem
SDG-Rahmenwerk von RobecoSAM beruht – Ausgangspunkt von dessen Prozess
zur Anleihenauswahl. Es handelt sich dabei um ein dreistufiges Verfahren,
bei dem untersucht wird, was ein Unternehmen herstellt, auf welche
Weise es dies tut und ob es in kontroverse Aktivitäten verstrickt ist.
Die Verwendung des SDG-Screenings bei Emittenten von
Unternehmensanleihen resultiert in einem Datensatz aus SDG-Scores. Diese
reichen von -3 (für Emittenten mit stark negativem Beitrag zu den SDGs)
bis +3 (hoher positiver Beitrag zu den SDGs).

In unseren SDG Credit-Portfolios schließen wir Emittenten mit
negativem SDG-Rating aus und investieren nur in solche, die ein
neutrales bis positives Rating aufweisen. Aus unserem Screening-Prozess
ergibt sich, dass 24 % der Emittenten in unserem Anlageuniversum einen
negativen Score aufweisen und damit nicht für unsere SDG-Strategien in
Betracht kommen.

Einklang von SDG-Ausrichtung und finanziellem Erfolg

Um unseren in der Praxis gewonnenen
Eindruck zu testen, dass sich Anleihen von Unternehmen mit positivem
Beitrag zu den SDGs tendenziell besser entwickeln als solche von Firmen
mit negativem Beitrag, haben wir Daten aus 50 Segmenten des Markts für
Unternehmensanleihen über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht.

Anhand der SDG-Scores aus unserem SDG-Screening nahmen wir ein
Mapping der SDG-Scores auf Sektorebene mit den Sektorindizes von
Barclays vor.

Anschließend wurden die Sektoren auf drei theoretische Portfolios
verteilt: eines bestand aus Sektoren mit positiven SDG-Scores (von +1
bis +3), ein weiteres umfasste Sektoren mit neutralem SDG-Score (null),
das dritte enthielt Sektoren mit negativen SDG-Scores (-1 bis -3).

Welches davon schnitt nun positiv ab?

Von den 50 analysierten Sektoren
erhielten zehn einen negativen SDG-Score. Weitere 17 Sektoren bekamen
einen positiven SDG-Score. Der Score der übrigen Sektoren war neutral.

Unsere Untersuchungen ergaben einen auffallenden Unterschied in der
Wertentwicklung der Sektoren mit positivem SDG-Score im Vergleich zu
jenen mit negativem Score.

Überlegene Risiko/Ertrags-Relation, geringere Ausfälle

Die Daten zeigen, dass in den letzten
fünf Jahren Sektoren mit positivem oder neutralem SDG-Rating gegenüber
solchen mit negativen Scores eine überlegene Risiko/Ertrags-Relation
aufwiesen. Anders formuliert bestand ein geringeres Risiko ohne
Renditeeinbußen. Dieses Ergebnis galt sowohl für Investment
Grade-Unternehmensanleihen als auch für Hochzinspapiere. Dabei war bei
hochverzinslichen Unternehmensanleihen die Differenz zwischen den
positiven und neutralen Sektoren einerseits und den negativen Sektoren
andererseits stärker ausgeprägt.

Grafik 1 | Investment Grade-Anleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie

Investment Grade-Anleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie
Investment Grade-Anleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie
Investment Grade-Anleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie

Quelle: Barclays und Berechnungen von Robeco auf Basis des globalen
Investment Grade-Universums. Datenstand: August 2019, 5-Jahres-Historie.
Die obige Grafik dient nur zur Illustration und zeigt nicht die
Wertentwicklung einer bestimmten Anlagestrategie von Robeco.

Grafik 2 | Hochzinsanleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie

Hochzinsanleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie
Hochzinsanleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie
Hochzinsanleihen: Risiko & Ertrag, 5-Jahres-Historie

Quelle: Barclays und Berechnungen von Robeco auf Basis des globalen
Hochzins-Universums. Datenstand: August 2019, 5-Jahres-Historie. Die
obige Grafik dient nur zur Illustration und zeigt nicht die
Wertentwicklung einer bestimmten Anlagestrategie von Robeco.

Das beobachtete bessere
Risiko/Ertrags-Profil in Sektoren mit positivem oder neutralem SDG-Score
resultiert aus einem geringeren Bonitätsrisiko im Vergleich zu Sektoren
mit negativen SDG-Scores. Wichtig ist auch, dass die Reduzierung des
Risikos ohne Einbußen bei den Renditen erreicht wird.

Das geringere Portfoliorisiko spiegelt sich zudem in der Entwicklung
der relativen Zahlungsausfälle wider. Eine Datenanalyse über die letzten
fünf Jahre zeigt, dass in Sektoren mit positiven SDG-Scores die
Ausfallraten geringer sind als in Sektoren mit neutralen Scores.
Außerdem sind die Ausfallraten in Sektoren mit positivem bzw. neutralem
SDG-Score geringer als in Sektoren mit negativen Scores.

Grafik 3 | Rollierende 12-Monats-Ausfallraten

Rollierende 12-Monats-Ausfallraten
Rollierende 12-Monats-Ausfallraten
Rollierende 12-Monats-Ausfallraten

Quelle: Barclays, JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch und
Berechnungen von Robeco. Datenstand: Dezember 2018, 5-Jahres-Historie.
Die obige Grafik dient nur zur Illustration und zeigt nicht die
Wertentwicklung einer bestimmten Anlagestrategie von Robeco.

Erreichung größerer Granularität: wir betrachten die Details, nicht nur den Sektor

Die Feststellung ist wichtig, dass sich
die obige Analyse nur auf das Abschneiden der Sektoren bezieht und
nicht auf die Entwicklung einzelner Unternehmensanleihen. Im Rahmen
unseres SDG-Messverfahrens verwenden wir einen dreistufigen
Screening-Prozess, um SDG-Scores für die einzelnen Unternehmen zu
erhalten. Weist ein Sektor ein negatives SDG-Rating auf, meiden wir ihn
nicht insgesamt. Stattdessen ist der Sektor-Score der Ausgangspunkt für
eine Betrachtung auf Ebene des einzelnen Unternehmens: was es
produziert, wie es das tut und ob es in irgendwelche kontroversen
Aktivitäten verwickelt ist. Daraus kann sich ein veränderter Score
ergeben, je nachdem wie gut ein Unternehmen im Einklang mit den SDGs
steht.

In unserer empirischen Analyse erfolgt eine Gegenüberstellung der
SDG-Scores auf Sektorebene mit der Wertentwicklung des Sektors. Dabei
zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen einer besseren
Wertentwicklung des Portfolios und einem neutralen bis positiven Score
in Bezug auf Nachhaltigkeit. Je länger unsere „SDG Credit“-Strategien
existieren, desto mehr Daten werden uns für weitere Analysen dieses
Zusammenhangs zur Verfügung stehen. Interessant wird insbesondere die
Analyse auf Unternehmensebene sein. Dies gilt speziell für diejenigen
Sektoren, in denen die SDG-Scores der einzelnen Emittenten eine große
Bandbreite aufweisen. Unterdessen stützen diese Ergebnisse unsere
Überzeugung, Nachhaltigkeitskriterien in unseren Credit-Auswahlprozess
einzubeziehen, und unsere Ansicht, dass dies zur Bildung robuster
Portfolios mit guter finanzieller Entwicklung beiträgt.

Lesen Sie den vollständigen Ausblick im PDF-Format.