Robeco: Von der US-Notenbank kommen wenig Impulse

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Nach einem kurzfristigen Aufschwung haben sich die Spreads in den meisten Fällen, in denen die US-Notenbank die Zinsen gesenkt hat, langfristig ausgeweitet.

In aller Kürze

  • Der Markt für Unternehmensanleihen wird auf kurze Sicht als weiterhin positiv eingeschätzt
  • Der Aufschwung dürfte aber nur von kurzer Dauer sein – ähnlich wie ein Zuckerschub
  • Bei einer solchen Rallye entwickeln sich 2-jährige US-Staatsanleihen typischerweise besser als Unternehmenspapieren

Nachdem die US-Notenbank die Zinsen
seit 2015 in neun Schritten auf das derzeitige Niveau von 2,25-2,50 %
angehoben hat, erwägt sie nun Zinssenkungen als Vorkehrung gegen eine
Abschwächung der Weltkonjunktur. Zinssenkungen verleihen den
Kapitalmärkten für gewöhnlich einen kurzfristigen Schub – ähnlich wie
ein süßes Getränk einen Zuckerschub bewirkt. Dies geht aus einem
Research-Papier des Global Macro-Teams von Robeco hervor. So wie
Zuckerzufuhr dem Menschen kurzfristig Energie verleiht, hat sich nach
Aussage des Teams der Effekt von Zinssenkungen als kurzlebig erwiesen.

Kurzfristiger Schub

„In den Jahren 2001 und 2007 weiteten
sich die Spreads von Unternehmensanleihen deutlich aus, bevor die
US-Notenbank die Zinsen mit Blick auf drohende Rezessionen senkte. Im
Anschluss an die erste Zinssenkung engten sich die Spreads in beiden
Situationen über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen ein, während
die US-Aktienindizes neue Allzeithochs erreichten. Dadurch ergab sich
eine kurze Phase, in der man im steigenden Markt verkaufen konnte, bevor
die Spreads wieder auf ihren zyklischen Pfad zurückkehrten“, sagt
Stuttard.

Nach einem kurzfristigen Aufschwung haben sich die Spreads in den
meisten Fällen, in denen die US-Notenbank die Zinsen gesenkt hat,
langfristig ausgeweitet. Nur in wenigen Situationen sei das anders
gewesen, zum Beispiel 1995, sagt er. Demnach ist es entscheidend,
zwischen einem „Trading-Zeitraum“ von typischerweise drei bis sechs
Wochen und einem „Anlage-Zeitraum“ von zwei bis vier Quartalen zu
unterscheiden.

Stuttard und sein Team analysierten die tägliche Entwicklung vor und
nach der ersten Zinssenkung durch die US-Notenbank in jedem Zyklus
während der letzten 23 Jahre.

Zinssenkungen und Renditen von US-Staatsanleihen

In diesem Zeitraum hat die US-Notenbank
nur in drei Situationen ihre Geldpolitik gelockert (1998, 2001 und
2007). Geht man etwas weiter zurück und betrachtet drei Jahrzehnte, hat
die US-Notenbank die Zinsen bei fünf Gelegenheiten gesenkt: im Juni
1989, im Juli 1995, im September 1998, im Januar 2001 und im September
2007.

Stuttard untersuchte das Niveau der Spreads von
USD-Unternehmensanleihen jeweils 5, 22 und 64 Tage vor und nach der
Zinsentscheidung der US-Notenbank. Diese Zeiträume entsprechen – in
Börsentagen gerechnet – rund einer Woche, einem Monat und drei Monaten
vor bzw. nach dem Zinsschritt. „Die Idee dahinter ist, die kurzfristige
Marktreaktion in der Zeit rund um die erste Zinssenkung der US-Notenbank
verständlich zu machen. Dazu betrachteten wir auch die Renditen
2-jähriger US-Staatsanleihen.“

Wie stark gingen nun die 2-jährigen Renditen von ihrem letzten
Höchststand bis hin zur ersten Zinssenkung zurück? Nach Aussage von
Stuttard ist die bemerkenswerteste Entdeckung die, dass sich der
Renditerückgang bei 2-jährigen US-Staatsanleihen sowohl kurz vor der
ersten Zinssenkung als auch danach beschleunigt.

Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen (%) vor und nach der
ersten Zinssenkung.

US-Staatsanleihen
US-Staatsanleihen
US-Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Berechnungen von Robeco

In jedem der letzten fünf Zinssenkungszyklen gingen die Renditen
2-jähriger US-Staatsanleihen in den drei Monaten vor dem ersten
Zinsschritt um 100 Basispunkte oder mehr zurück. Im Durchschnitt fielen
die 2-jährigen Renditen bis zur Zinssenkung durch die Notenbank um 156
Basispunkte gegenüber ihrem letzten Höchststand. 2019 sind die Renditen
2-jähriger US-Staatsanleihen in den letzten drei Monaten um 64
Basispunkte zurückgegangen. Gegenüber dem Renditehoch von 2,96 % im
November 2018 sind sie jedoch um 112 Basispunkte gesunken.

Den gesamten Marktausblick finden Sie hier.