Soros beteiligt sich an GAM – Neue Strategie oder Business as usual?

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Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag. Ein Unternehmen des Hedgefonds-Managers und Star-Investors George Soros hat den Einstieg beim Schweizer Vermögensverwalter und Fondsanbieter GAM bekannt gegeben.

Umstrittener Ungar

Zuletzt machte Georg Soros eher durch seine gesellschaftspolitischen Aktivitäten
Schlagzeilen. Die einen schätzen ihn als philanthropischen Milliardär, der sich
über seine Stiftungen für Humanismus und eine liberale Gesellschaft einsetzt. Andere
sehen in ihm einen undurchsichtigen Strippenzieher, der durch die Finanzierung
von NGOs in großem Stil Politik macht, ohne demokratisch legitimiert zu sein. In
seiner ungarischen Heimat gilt Soros als eine Art Intimfeind von Ministerpräsident
Viktor Orban. In jedem Fall werden seine Transaktionen in der financial
community mit Argusausgen beobachtet.

Günstiger Einstieg

Die dreiprozentige Beteiligung an GAM erfolgte über die SFM UK Management, eine
Tochter der Soros Fund Management. Sowohl die SFM UK Management als auch GAM
hielten sich zu Details über die Beteiligung bedeckt. Klar ist: Soros nützt mit
dem Kauf die Gunst der Stunde, zu niedrigen Kursen einsteigen zu können. In den
vergangenen Monaten musste die GAM-Aktie deutlich Federn lassen. Auf
Jahressicht belief sich der Kursrückgang auf über 70 Prozent.

Nach Bekanntgabe des
Einstiegs der SFM UK Management am Freitag haben die GAM-Aktien mit einem
Kursgewinn von zunächst 20 Prozent einen deutlichen Sprung nach oben vollzogen.
Soros bzw. seine Manager dürften vor dem Hintergrund von Zusammenschlüssen in
der Branche aufgrund zunehmenden Kostendrucks mit weiter steigenden Kursen
seiner neu erworbenen Beteiligung rechnen.

In der Krise

GAM ist seit Monaten krisengebeutelt. Die hohen Kursverluste der Aktie standen
in Zusammenhang mit dem Skandal um deren einstigen Top-Fondsmanager, Tim
Haywood. Ende Juli vergangenen Jahres bekam Haywood von GAM seinen Stuhl vor
die Türe gestellt. Das Unternehmen verwies auf interne Untersuchungsergebnisse.
Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Vernachlässigung von Due
Diligence-Prüfungen sowie die Umgehung des Vier-Augen-Prinzips. Verträge, die
eigentlich zwei Unterschriften erforderten, sollen von ihm alleine
unterschrieben worden sein.

Haywood verwaltete bei GAM Absolute
Return-Bondstrategien mit einem Anlagevolumen von rund elf Milliarden Schweizer
Franken. Aber auch nachdem Haywood das Unternehmen verlassen hatte, kehrte
keine Ruhe ein. Ende vergangenen Jahres ging neben mehreren Mitarbeitern auch
der Vorstandschef Alexander Friedman, David Jacob wurde Nachfolger. Die Folge
von Haywoods Fehlverhalten: Investoren zogen in großem Stil ihre Anlagegelder
aus den GAM-Fonds ab und zwar nicht nur aus denen, die Haywood zu verantworten
hatte. Die gesamte Fonds-Palette des Hauses wurde in Sippenhaft genommen.
Einige Fonds des Hauses mussten daraufhin liquidiert werden.

Aus der Portokasse

Schweizer Medien spekulierten bereits darüber, ob Soros von der Entscheidung
einer seiner Tochterfirmen, bei GAM einzusteigen, überhaupt gewusst hat. Nach
dem Kursverlust der GAM-Aktie mussten nämlich „nur“ 20 Millionen Schweizer
Franken auf den Tisch gelegt werden, um die drei Prozent von GAM zu kaufen. 2017
erfolgte bereits eine Beteiligung des Soros-Unternehmens in ähnlicher Höhe an
dem aktivistischen Investor Sherborne Investors Guernsey. Allerdings ist auch
George Soros kein König Midas, bei dem alles zu Gold wird, was er berührt. Am
Beginn der Finanzkrise hatte der Ungar sich an Lehman Brothers beteiligt. Eine
Spekulation, die bekanntlich nicht aufgegangen ist.