Sparen ohne Zins: Die sechs goldenen Regeln der Finanzplaner

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Die Zinsen bleiben im Dauertief. Für das Financial Planning Standards Board Anlass genug, neue Regeln für den Vermögensaufbau aufzustellen. Zur „World Investor Week“ hat der Verband der Finanzplaner eine neue Checkliste für den Vermögensaufbau veröffentlicht. Spoiler: Aktien und Gold spielen dabei eine Rolle.

Der Berufsverband der Finanzplaner
ist beunruhigt. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) einfach nicht aufhört, die
Zinsen zu senken, gerät das gesamte Universum der Geldanlage aus dem
Gleichgewicht. Ein Leitzins bei null Prozent, ein Einlagenzins bei -0,5
Prozent, dazu erneut Anleihekäufe: „Das ist eine Situation, auf die sich
Anleger einstellen müssen. Denn der Zins als eine Art Gravitationszentrum wirkt
auch auf alle anderen Anlageklassen“, sagt Rolf Tilmes, wissenschaftlicher
Leiter des Private Finance Institute an der EBS Universität in Wiesbaden und Vorstandsvorsitzender
des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Die aktuelle
EZB-Politik verzerre nämlich die Bewertung von Staats- und
Unternehmensanleihen, und das wirke sich wiederum auf alle anderen
Anlageklassen aus, weil Investoren verzweifelt Rendite suchen. „Das hat sämtliche
Preise und Bewertungen nach oben gezogen, beispielsweise auch bei Aktien oder
Immobilien“, sagt Tilmes.

Die Konsequenz: Kursschwankungen
steigen, die Stimmung kann viele schneller kippen als sonst, und die
Preisverzerrungen verschleiern den Blick auf die wahren Werte vieler
Anlageprodukte. Weil sich die Lage so schnell nicht ändern wird, empfiehlt der FPSB
als Berufsverband der Finanzplaner, sich auf diese neuen Spielregeln am
Kapitalmarkt einzustellen. Anlässlich der World Investor Week, die heute zu
Ende geht, haben die Finanzplaner eine neue Checkliste für Privatanleger
veröffentlicht, die beim langfristigen Vermögensaufbau helfen soll. „All das umzusetzen,
ist nicht so einfach wie es klingen mag“, sagt Tilmes: „Vor allem, da es dafür
nicht nur Disziplin und Durchhaltevermögen braucht, sondern auch enormes
Finanzwissen.“

Das sind die Tipps der Finanzplanungs-Profis:

  1. Hinterfragen Sie kritisch Ihre eigene
    Risikoeinstellung und legen Sie Ihre Anlageziele fest. Dies ist der erste
    wichtige Schritt, um zu einem individuell passenden Depot zu kommen.
  2. Angesichts der Negativzinsen führt an
    renditeträchtigen Anlagen wie Aktien kein Weg vorbei. Sie schwanken zwar
    kurzfristig stärker, langfristig geht deren Verlustwahrscheinlichkeit aber
    gegen Null. Wer also langfristig anlegt, kann mehr Aktien im Portfolio
    vertragen. Hilfreich kann hier die Faustformel ‚100 abzüglich Lebensalter‘
    sein. Wer 30 Jahre ist und für den Ruhestand vorsorgt, kann ruhig 70 Prozent in
    Aktien gehen.
  3. Setzen Sie nie nur auf eine
    Anlageklasse, sondern diversifizieren Sie. Tatsächlich weisen Studien immer
    wieder nach, dass der größte Teil des Anlageerfolges auf die passende
    Zusammensetzung der verschiedenen Anlageklassen zurückzuführen ist. So sollten
    Anleger heute neben sicheren Staatsanleihen auch Aktien, Gold oder auch andere
    Anleihearten beim Portfolioaufbau berücksichtigen.
  4. Panik ist ein schlechter Ratgeber.
    Angesichts der starken, durch die Geo- und die Geldpolitik verursachten
    kurzfristigen Schwankungen, dürften viele Anleger versucht sein, immer wieder
    panikartig zu reagieren. Prozyklisches Verhalten kostet Anleger aber
    nachweislich viel Rendite. Bleiben Sie stattdessen bei Ihrer strategischen
    Allokation.
  5. Laufen Sie keinen Trends hinterher.
    Meistens sind diese ohnehin schon gelaufen. Konzentrieren Sie sich stattdessen
    auf Ihre langfristigen Ziele.
  6. Überprüfen Sie Ihr Portfolio
    regelmäßig. Schließlich können sich das Umfeld und die Muster am Kapitalmarkt
    immer wieder ändern. Das muss in einem professionell gemanagten Portfolio stets
    Berücksichtigung finden.