TBF Global AM: Klassische Rentenstrategien werden durch ein optimiertes Anleiheportfolio ersetzt

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In der Asset-Management-Industrie muss bezüglich defensiver Anleiheportfolios ein Umdenken stattfinden. Aus Euro-Sicht sind defensive Anleihe-Portfolios nahezu nicht mehr möglich.

Entweder müssen die Portfolios durch Aktien ergänzt werden
oder die Währungen – und entsprechend natürlich die Währungsrisiken – dürfen
nicht mehr außen vor gelassen werden”, meint Guido Barthels, Anleihenspezialist
und seit August 2019 Anleihenmanager bei TBF Global
Asset Management. Im Folgenden führt Barthels seine Einschätzungen aus
und zeigt anhand des neu aufgelegten TBF BALANCED die Umsetzung in der Praxis.

Herr Barthels, die Rendite der 10-jährigen Bund war
zwischenzeitlich unter -0.7% im August, handelt aktuell bei -0.5%.  Ein sehr großer Teil aller Anleihen im
Euroraum handelt mit negativen Renditen. 
Was bedeutet das für Sie?

Guido Barthels: Im aktuellen
Marktumfeld ist es schwierig traditionelle und eher defensive Anleihefonds
ertragreich zu verwalten. Das wird sich in der Zukunft nicht verändern und
defensive Anleihefonds werden durchaus Probleme bekommen.
Selbst die kürzlich begebene 30-jährige Anleihe des Bundes ist mit einem
Nullkupon versehen.  Da verlieren die
Investoren inflationsbereinigt in 30 Jahren mindestens 40%, wenn die Anleihe
zurückbezahlt wird.  Selbst griechische
10-jährige Anleihen geben nur noch 1.5%, ein Staat, der noch 2012 einen
Schuldenschnitt hatte. Verrückte Zeiten.  


Trotz der trüben Aussichten am
Rentenmarkt haben Sie mit dem TBF BALANCED gerade erst einen Fonds aufgelegt,
der insbesondere auch auf Anleihen setzt und mittelfristig fünf bis acht
Prozent Rendite p.a. erzielen soll. Das ist erklärungsbedürftig!

Barthels: In unserem neuen Fonds TBF BALANCED beschreiten wir einen
anderen Weg. Hier kaufen wir Fremdwährungsanleihen und haben uns entschlossen,
die Währung dann generell nicht abzusichern. Zudem setzen wir
auf eine Kombination aus Anleihen und Aktien
. Die Anleiheseite verwalte ich klassisch Top-Down aus der
Makro-Perspektive.
Wir kaufen aktuell nur Staatsanleihen
bzw. Anleihen von Supranationalen Gebilden wie der Weltbank mit kurzer Laufzeit
in sogenannten Hartwährungen wie US-Dollar, kanadische Dollar, australische
Dollar, aber auch norwegische Kronen und Singapour-Dollar. Kombiniert wird das Portfolio aber
durch eine Bottom-Up-Allokation auf der Aktienseite. Dort steht das Stock
Picking im Vordergrund.
Insgesamt ist das Portfolio somit
hochliquide aber durch die Währungen etwas volatiler – dafür aber auch mehr
Ertrag.

Bedeuten Fremdwährungen nicht höheres Risiko, warum
erfolgt keine Absicherung?

Barthels: Ja sicherlich, aber ohne Risiko können
sie in der heutigen irren Zeit nun einmal kein Geld verdienen. Aufgrund
der Verschiebung innerhalb der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren ist es
für Euro-Investoren nicht mehr lohnenswert die Währungsrisiken abzusichern und
nur in Euro zu investieren. Deswegen managen wir die Währungskomponente aktiv,
um dort einen Mehrwert in der Allokation zu erzielen. Um das Risiko aber zu
begrenzen, setzen
wir Optionen ein, die sogar noch einen
kleinen Zusatzertrag erwirtschaften.

Wie kann man sich letztgenanntes vorstellen?

Barthels: Die Währungen, in denen wir aktiv sind,
haben keinen wirklichen Trend.  Die
allermeiste Zeit bewegen sich die Wechselkurse gegenüber dem Euro in einer
Handelsspanne.  Von Zeit zu Zeit wird
diese Handelsspanne nach oben oder unten durchbrochen und dann etabliert sich
wieder eine neue Handelsspanne.

Und Sie nutzen das?

Barthels: Ja genau. 
Wir verkaufen Kauf- und Verkaufsoptionen mit den Ausübungspreisen, die
die Ränder der Handelsspanne ausmachen. Ein sogenannter Strangle.  Dafür bekommen wir
eine Prämie.  Einen Teil dieser Prämie
nutzen wir dann, um dann die Extremrisiken zu beschränken in dem wir
noch günstige Kauf und Verkaufsoptionen kaufen. Das Ganze heißt dann Iron Butterfly, ein eiserner
Schmetterling.

Über den Euro haben Sie bisher noch kein Wort verloren.
Welche Rolle spielt dieser im Rahmen der Strategie?

Barthels: Der Euro hat eine große Konzeptionsschwäche. Es
gibt beispielsweise keine gemeinsame Fiskalpolitik. Deswegen ist der Euro
teilweise ein Kunstgebilde. Wir erwarten mittelfristig, dass sich der Euro im
Trend  gegenüber anderen Währungen weiter
abschwächen wird.  Daher könnten
Fremdwährungspostionen über einen längeren Betrachtungszeitraum zusätzlichen
Ertrag durch Wechselkursgewinne erzielen.

Wer sind Ihre Investoren?

Barthels: Der TBF BALANCED wurde für Investoren konzipiert, die
im heutigen Umfeld einen vernünftigen Ertrag bei überschaubarem Risiko erzielen
möchten – dies aber bewußt ausserhalb des Euro. Wir sehen hier sowohl
Privatanleger, die eine ausgewogene Altersvorsorge aufbauen möchten, wie auch
Investoren, die eine Nicht-Euro-Position in Ihrem bestehenden Portfolio
allokieren möchten. Interessant ist sicherlich noch anzumerken, dass sich TBF
für eine Vollintegration von ESG-Kriterien in den gesamten Investmentprozess
entschieden hat – dies betrifft somit den TBF BALANCED, aber auch alle anderen
Fonds von TBF.