Teures Betongold

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Die steigenden Immobilienpreise in Deutschland nehmen kein Ende – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus dem Hause Edmund de Rothschild Asset Management (EdR AM). Die Entwicklung birgt hohe Risiken.

Preisauftrieb

Die Ökonomen von EdR AM haben in einer Studie die europäischen
Wohnimmobilienpreise unter die Lupe genommen. Das Fazit: Die Preise steigen in
unterschiedlicher Intensität, aber sie steigen weiter. Nach einem erwarteten Anstieg
in Frankreich im aktuellen Jahr um 3,1 Prozent wird für 2020 ein Zuwachs von 2,86
Prozent erwartet. Für die Schweiz wird im kommenden Jahr ein leichter Anstieg
um 0,4 Prozent prognostiziert, nachdem 2019 ein leichter Preisrückgang um 0,35
Prozent zu verzeichnen war. Von Unsicherheit geprägt ist die Situation in
Großbritannien. Hier geht das Research-Team von EdR AM von einem moderaten
Anstieg von 0,5 Prozent im aktuellen Jahr und einem Zuwachs von 1,9 Prozent im
kommenden Jahr aus, allerdings nur, wenn es nicht zu einem harten Brexit kommen
würde.

Deutschland an der Spitze

Für Deutschland prognostizierte Jean-Christophe Delfim, Ökonom für
Immobilienmarktforschung im Euroraum bei EdR AM, weiter kräftig ansteigende
Wohnimmobilienpreise, wenn auch mit etwas geringerem Tempo. Für das Gesamtjahr
2019 rechnen die Experten von EdR AM in Deutschland mit einem Preisanstieg von
7,6 Prozent. Auch im kommenden Jahr bleibt der erwartete Aufschlag mit 6,4
Prozent hoch. Im zweiten Quartal 2019 fiel die Erhöhung der
Wohnimmobilienpreise mit 8,8 Prozent besonders drastisch aus. Ein Rückblick
macht die dramatische Entwicklung auf längere Sicht deutlich. Laut EdR AM-Studie
lag der Anstieg der Wohnimmobilienpreise in Deutschland seit 2009 bei mehr als
66 Prozent.

Preistreiber billige Kredite

Bei der Forschung nach den Ursachen für die gestiegenen Preise haben die
Experten vor allem die günstigen Kreditkonditionen ausgemacht. Laut EdR AM-Studie
sind sie für rund 33% des Preisanstieges in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich.
Deutlich geringer sei der Einfluss von Wirtschaftswachstum und
Inflationsentwicklung, die jeweils nur 25 Prozent des Anstiegs ausmachen würden.
Die günstigen Kreditkonditionen sind aktuell gepaart mit einer niedrigen
Leerstandsquote bei Wohnimmobilien, die eine hohe Nachfrage signalisieren. Laut
Analyse liegt die Quote mit sieben Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Blasenbildung

Auch die UBS sieht eine Überteuerung am Immobilienmarkt. Das UBS Global Wealth
Management hat die Preisentwicklung von 24 Metropolen weltweit untersucht und
im vergangenen Monat im Global Real Estate Bubble Index veröffentlicht. In den
meisten der untersuchten Städte stellten die Experten eine deutliche
Überbewertung fest. In sieben Großstädten wurde ein akutes Risiko für eine Blasenbildung
diagnostiziert. In der Eurozone sind neben Paris und Amsterdam die
Main-Metropole Frankfurt auf Platz fünf und weltweit unangefochten auf Platz eins
München besonders gefährdet.

Finanzsystem in Gefahr

Die Deutsche Bundesbank hat mit Blick auf die Immobilienpreisentwicklung in
Deutschland Alarm geschlagen und auf hochriskante Entwicklungen hingewiesen.
Jeder zweite Kredit in Deutschland wird mittlerweile zur Finanzierung von
Immobilien genutzt. Hinzu kommt, dass der Immobilien-Preisanstieg auch zu einem
Anstieg des Kreditvolumens führt. Anlass zur Sorge gibt die Tatsache, dass mehr
als die Hälfte der Kredite eine Laufzeit von über zehn Jahren aufweisen. Ein
möglicher Zinsanstieg hätte vor diesem Hintergrund drastische Folgen für
Kreditnehmer und Banken. Kredite könnten zudem teilweise mit zu optimistischen
Annahmen hinsichtlich des Wertes der Immobilien besichert werden. Anlass zu
Kritik durch die Notenbank gibt die geringe Risikovorsorge der Banken durch
Rückstellungen, die aktuell bei unter einem Prozent des Kreditvolumens liegen. Zum
Vergleich: Anfang der 2000er-Jahre lag der Wert noch bei 2,5 Prozent. „Die
Hinweise, dass Kreditrisiken unterschätzt werden könnten, verdichten sich“, so
Claudia Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank bei der Vorstellung des
Finanzstabilitätsberichts. Es bestehe die Gefahr, „dass Marktteilnehmer die
vergangene Entwicklung zu optimistisch in die Zukunft fortschreiben und dabei
die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzen.“