US-Notenbank: Im Fokus – Die Rede von Jerome Powell

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Die Finanzwelt wollte von Fed-Chef Jerome Powell hören, ob und wie weit die US-Notenbank die Zinsen senken wird.

FundResearch blickt auf die letzte Woche zurück und gibt einen Ausblick auf kommende Ereignisse. Diesmal im Fokus: Jerome Powells Rede bei der Notenbankkonferenz in Jackson Hole.

Rückblick auf die vergangene Woche

„Warten auf Powell“ hing als Überschrift in großen Lettern über dem Terminkalender für die vergangene Woche. Denn die Finanzwelt wollte von Fed-Chef Jerome Powell hören, ob und wie weit die US-Notenbank die Zinsen senken wird. Und so trat Powell auf der alljährlich stattfindenden Notenbankkonferenz im malerischen Jackson Hole am Freitag ans Mikrofon und sagte…eigentlich nichts. Jedenfalls nichts Überraschendes. Nichts Wegweisendes. Nichts, was man nicht hätte so oder so auslegen können. Er knüpfte damit an eine Gewohnheit an, die der einstige US-Notenbankpräsident Alan Greenspan pflegte. „Ich war früher besorgt, ich würde mich versehentlich klar ausdrücken“, hatte Greenspan einmal bei einem Dinner vergnüglich gesagt. Der Spruch ging um die Welt.

Powell wollte es ihm gleichtun, ergoss sich im Gegensatz zu Greenspan aber nicht in verklausuliertes, mehrfach verschlüsseltes Finanzvokabular, sondern schüttete großzügig eine trübe Soße mit Argumenten für und gegen Zinssenkungen über das Menü an Konjunktur-Einschätzungen, die er zuvor aufgetischt hatte. Er versicherte, die Fed würde angemessen auf Risiken und potentielle Schwächen der Wirtschaft reagieren. Gleichzeitig gab Powell jedoch keine Hinweise auf eine aggressivere Geldpolitik der Notenbank oder gar einen Zinssenkungs-Automatismus. 

Zwar positionierte sich Powell klar zu den Entwicklungen seit dem letzten Zinsentscheid der Fed: Das Wachstum der Weltwirtschaft habe sich auch als Konsequenz des von Trump angezettelten Handelskriegs gegen China weiter verlangsamt. Doch es gebe keine konkreten Regeln, wie die Geldpolitik auf den Handelskonflikt zu reagieren habe, schränkte er zugleich ein. Der Mann blieb im Ungefähren. Auch seine anwesenden Kollegen trugen nicht zu mehr Klarheit bei. Aber das konnte man bereits dem Sitzungsprotokoll entnehmen, das am Mittwoch veröffentlicht worden war.

Die Erkenntnis: Die US-Zentralbank darf ihr Pulver nicht zu früh verschießen. Sie muss einen Rest an Wirkungspotential im Köcher lassen für den Fall, dass die Wirtschaft in eine tiefe Rezession taumeln sollte. Die Notenbanker haben es dabei nicht leicht mit ihrem US-Präsidenten. Trump zertrümmert Porzellan an den Finanzmärkten und fordert von der Fed, die Scherben mithilfe von Zinssenkungen aufzukehren. Will die Fed tatsächlich handeln, muss sie dies gut mit eigenen Argumenten untermauern, wenn sie nicht an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit einbüßen will. Ein Dilemma. 

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Heute Nachmittag veröffentlicht das US Census Bureau zwei wichtige Indikatoren für die Dynamik der US-Wirtschaft: zum einen die nicht verteidigungsbezogenen Investitionsgüter-Aufträge und zum anderen die Auftragseingänge für langlebige Gebrauchsgüter. Bei beiden Zahlen geht es um Güter, die für einen Zeitraum von drei oder mehr Jahren geplant sind. Da diese langlebigen Produkte oft mit hohen Investitionen verbunden sind, reagieren die Indizes empfindlich auf die wirtschaftliche Situation in den USA. 

Am Dienstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt das Bruttoinlandsprodukt für Deutschland. Es geht leider nur noch darum, ob ein Minus- oder ein Pluszeichen vor der Zahl steht. 

Am Mittwoch zeigt sich bei der Auktion 10jähriger Bundesanleihen durch die Bundesbank, wieviel Geld Investoren derzeit dafür zahlen müssen, wenn sie dem deutschen Staat Geld leihen. Eine erstaunliche und absurde Situation. Olaf Scholz wird an dem Tag wohl ein zufriedenes Lächeln im Gesicht tragen. 

Am Donnerstag folgt die aktuelle Statistik zur Arbeitslosenquote, veröffentlicht von der Bundesagentur für Arbeit. Erwartet wird ein nach wie vor niedriger Wert von fünf Prozent. Und nur eine minimale Zunahme der Arbeitslosigkeit. Es ist Sommer, Handwerk und Bauindustrie boomen. Und der Abschwung in der Industrie dürfte sich noch nicht am Arbeitsmarkt niederschlagen.

Am Freitag lohnt sich der Blick auf einen ansonsten auf der Weltbühne wenig beachteten Index: die Veröffentlichung der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in Hongkong. Die Zahlen, die das Census and Statistics Department regelmäßig bekannt gibt, befinden sich seit April im Sinkflug und bewegen sich mittlerweile tief im roten Bereich. Es gibt wenig Interpretationsspielraum dafür, dass sich die politisch angespannte Lage in der ehemaligen britischen Kronkolonie auch im vorsichtigeren Konsumverhalten der Bevölkerung widerspiegelt.