US-Notenbank: Sicher ist nur die Unsicherheit

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Die US-Währungshüter haben auf ihrer jüngsten Sitzung des Federal Open Market Committee den Leitzins unverändert gelassen. Man sollte meinen, dass sich das positiv auf die Märkte auswirken sollte. Doch weit gefehlt.

2018 Jahr galt die Fed meist als übertrieben falkenhaft – so sehr, dass die mildere Rhetorik im Dezember zu einer Erleichterungswelle führte, obwohl die Fed die Zinsen zum vierten Mal innerhalb des vergangenen Jahres erhöhte. Umgekehrt wurde das jüngste Treffen als überraschend „taubenhaft“, also auf eine expansive Geldpolitik ausgerichtet, betrachtet. Vor wenigen Monaten lag der Leitzins laut des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell „weit entfernt vom neutralen Zins.“ Nur eine Erhöhung später, im Dezember 2018, und auch jetzt, befindet Powell, dass sich das Niveau „im breiten Spektrum der Schätzungen des neutralen Zinses“ bewegt.

Die jüngste Prognose der Fed verdeutlicht, dass sie für 2019 keine und bis 2021 nur noch eine Erhöhung erwartet. Die Terminmärkte, die sich nicht von der Fed austricksen lassen wollen, rechnen nun mit einer Zinssenkung im Jahr 2019. Chairman Powell bekräftigte, dass man keine Pläne für die Zukunft habe –  außer abzuwarten. Da er eine Zinssenkung aber nicht explizit ausschließt, ist davon auszugehen, dass der nächste Schritt nur in die entgegengesetzte Richtung gehen kann, falls der Zinserhöhungszyklus beendet ist.

Unglaubwürdige Argumentation

Weitere Widersprüche zeigten sich mit Blick auf die Bilanz der US-Notenbank. So überraschte die Ankündigung der Wahrungshüter, dass sie im Mai beginnen werden, den Verkauf ihrer US-Staatsanleihen zu verlangsamen und im September ganz zu beenden. Powell sagte, er betrachte das Management der Bilanz nicht als geldpolitisches Instrument. Doch das klingt unglaubwürdig: Wenn Quantitative Easing eine geldpolitische Entscheidung war, gilt das auch umgekehrt. Das nun absehbare Ende der geldpolitischen Straffung untermauert das Ansinnen der Fed, weitere Aktionen auf Eis zu legen.

Eigentlich sollte man erwarten, dass die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen durch einen beunruhigenden wirtschaftlichen Ausblick ausgelöst wurden. Powell bestätigte die schwächeren Daten in den USA und die Konjunkturabkühlung in Europa und China, während die Fed ihre BIP-Prognosen leicht nach unten korrigiert hat. Aber er betonte mit Nachdruck, dass „unsere Aussichten positiv sind“ und dass „die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten nach wie vor sehr stark sind“. Vielleicht sollte dieses Bemühen um einen ausgeglichenen Ton heftige Überreaktionen der Märkte in die eine oder andere Richtung verhindern. Aber bei all ihren Anstrengungen, sich ihre Optionen offen zu halten, hat die US-Notenbank auch erhebliche Unsicherheit hinsichtlich ihres nächsten Schrittes hervorgerufen. Nach oben oder nach unten: Irgendwer wird bald ein böses Erwachen erleben.

„Wait and see“

Die erste Reaktion auf das Fed-Meeting seitens der Experten und Märkte überraschte. Die Entwicklung der dreimonatigen/zehnjährigen US-Zinsstrukturkurve spiegelte bereits zwei Tage nach der letzten Sitzung Unterstützung für die Haltung der Notenbank wider. Erstmals in diesem Zyklus kehrte sie sich kurzzeitig um. Manche Beobachter behaupteten, dies sei ein Beweis für den Weitblick der Fed und für künftig schwierigere wirtschaftliche Bedingungen. Alternativ kann es auch ein Versuch gewesen sein, die Märkte überstürzt in Unruhe zu versetzen.

Eine inverse Zinsstrukturkurve wird zwar oft als Vorbote eines Abschwungs interpretiert. Doch sie besitzt nur wenig Aussagekraft – mit langen Vorlaufzeiten vor Rezessionen und Fehlalarmen in der Vergangenheit. Die Zukunft erscheint von Tag zu Tag unklarer, die einzige Sicherheit ist derzeit die Unsicherheit. Genau wie für die Federal Reserve gilt auch für uns: „wait and see.“