Vermögensverwalter-Zertifikate zum Selberbauen

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Mit der Social-Trading-Plattform Wikifolio können auch Vermögensverwalter eigene Produkte emittieren. Das ist deutlich unkomplizierter, als einen Fonds aufzusetzen. FundResearch zeigt die Vor- und Nachteile.

Die vielleicht trendigste Plattform auf dem Markt der Finanzderivate ist seit einigen Jahren die Social-Trading-Plattform Wikifolio. Die Website macht es möglich, innerhalb einer Stunde ein eigenes Portfolio zu entwickeln und dies nach einem kurzen Testlauf als Zertifikat zu emittieren, falls sich genügend Anleger mit ausreichend Investitionszusagen dafür interessieren. Für Vermögensverwalter kann die Trading-Plattform mehr als nur Spielerei sein, wie einige Anbieter beweisen.

Das Prinzip funktioniert so: Wie bei einem Fonds werden hier Wertpapiere in einem Portfolio gesammelt, allerdings nicht als Sondervermögen wie bei einem Fonds, sondern in Form eines besicherten Zertifikats. In der Umsetzung bedeutet das, dass jedes Wikifolio-Zertifikat, kurz Wikifolio genannt, eine Schuldverschreibung ist. Der Wert dieser Schuldverschreibung entspricht dem Portfolio dieses Wikifolios. Emittiert werden die Zertifikate nicht vom Unternehmen wikifolio Financial Technologies AG, sondern vom Finanzdienstleister Lang & Schwarz Tradecenter AG & Co. KG. Das Unternehmen sorgt mit einer Besicherung und der damit verbundenen Verpfändung von eigenen Wertpapieren und Geldkonten dafür, dass Anleger den Wert ihres jeweiligen Zertifikats ausgezahlt bekommen – selbst dann, wenn wikifolio Financial Technologies oder Lang & Schwarz nicht mehr zahlungsfähig sein sollten. Damit rücken die Zertifikate unter dem Gesichtspunkt der Anlegersicherheit nahe an Fonds heran.

Weniger Aufwand als ein Fonds

Aus Sicht von Vermögensverwaltern haben Wikifolios gegenüber Fonds einige Vorteile: Das Aufsetzen eines Vermögensverwalter-Zertifikats lässt sich in kürzester Zeit erledigen. Ein Vorsprechen bei der BaFin ist nicht nötig, es gibt keine Aufsicht über Käufe und Verkäufe. Nur eine KWG-Lizenz ist gefragt.

Die wikifolio Financial Technologies AG trennt hier scharf zwischen Finanzberatern und Vermögensverwaltern. Wer unter der Rubrik Vermögensverwalter-Wikifolio ein Zertifikat emittiert, muss die Bafin-Lizenz zur Finanzportfolioverwaltung vorlegen und bekommt auch nur dann für seine Wikifolios die speziellen Konditionen für Vermögensverwalter.

Einige Vermögensverwalter nutzen Wikifolios vor allem intern. Die Zertifikate werden gezielt an eigene Kunden verkauft. Zwar können die Zertifikate theoretisch auch extern eine Wirkung entfalten, mit einem Wikifolio können Vermögensverwalter interessierten Anlegern immerhin ihre Strategie vorführen und das Zertifikat direkt über die Börse EUWAX verkaufen. Sie können über Webinare auf der Wikifolio-Website potenzielle Kunden ansprechen und zuweilen auch in Interviews in Börse Stuttgart TV auftauchen. Mit dem hausinternen Sender der Stuttgarter Börse hat die wikifolio Financial Technologies AG eine Marketingkooperation. Zudem sind Vermögensverwalter auch auf Messeauftritten des Unternehmens und seiner Website präsent.

Das klingt zunächst vielversprechend und mag dem einen oder anderen Vermögensverwalter einen neuen Kontakt gebracht haben. Im Gespräch mit einigen Finanzprofis wird allerdings schnell deutlich, dass die Publicity-Wirkung in der Praxis offensichtlich nicht besonders groß ist.

Weniger Gewinn

Wikifolios sind in einer Hinsicht eine revolutionäre Entwicklung: Jeder kann ohne viel Aufwand ein Zertifikat emittieren und gegebenenfalls damit Geld verdienen. Die Gebühren der Papiere lassen sich so steuern, dass der Ertrag, prozentual am Volumen gemessen, vergleichbar mit Fondsgebühren ist. Vermögensverwalter bekommen die Hälfte der jährlichen Gebühren ihres Wikifolios, das sind unterm Strich immerhin 0,475 Prozent per annum. Dazu kommt eine Performancegebühr zwischen 5 und 30 Prozent nach dem High Watermark-Prinzip. Damit auch nach einer starken Kurskorrektur trotzdem noch etwas für die Vermögensverwalter abfällt, wird diese High Watermark zu jedem Jahresbeginn wieder auf null gesetzt.

Der Fluch der großen Zahl

Man kann sagen: einfacher als mit Wikifolio.de ein Zertifikat zu emittieren, geht es kaum. Die Stärke von Wikifolio.de, nämlich ohne viel Aufwand ein Wertpapier zu entwickeln und zu emittieren, ist zugleich ein Problem für professionelle Portfoliomanager. Denn wenn etwas so leicht und dazu noch kostenlos ist, geht man schnell in der Masse derjenigen unter, die einfach nur spielen wollen.

Konkret: Es gibt derzeit rund 7.500 investierbare Wikifolios, darunter befinden sich 86 Zertifikate von Vermögensverwaltern. Die Aufmerksamkeit derjenigen Anleger, die sich dafür interessieren, in Wikifolios zu investieren, ausgerechnet auf diese von Profis gemanagten Papiere zu lenken, ist eine Herausforderung. Das zeigt sich schon daran, dass gerade einmal vier Vermögensverwalter-Wikifolios bisher mehr als eine Million Euro einsammeln konnten.

Zum Vergleich: In das volumenstärkste Zertifikat auf der Wikifolio-Website haben Anleger rund 14 Millionen Euro investiert. Auf den Plätzen folgen Wikifolios mit zehn, acht und sieben Millionen Euro. Aber überhaupt nur etwa 60 Wikifolios verwalten mehr als eine Million Euro. An diesen Zahlen wird deutlich: Vermögensverwalter-Wikifolios generieren in der Regel keine großen Volumina, jedenfalls nicht außerhalb des eigenen Kundenstamms.

Fazit

Mit Wikifolios können Vermögensverwalter zeigen, was sie drauf haben, doch eine komplexe Strategie lässt sich damit nicht umsetzen. Das liegt schon allein daran, dass sich in Wikifolios keine Anleihen oder andere Zinspapiere verwalten lassen. In den Zertifikaten können nur die Kursentwicklungen von Aktien, ETFs, Fonds, Hebelzertifikaten und  Optionsscheinen abgebildet werden.