Wachstumsaktien – Werden sie die Hürde nehmen?

Schlagworte: ,

Spielt die Bewertung eine
Rolle? Dies ist eine interessante Frage. Man denke beispielsweise ans Ende der
1990er-Jahre zurück, als die Art und Weise, in der Aktien bewertet wurden –
d.h. im Verhältnis zu Dividenden oder Gewinnen – als „veraltet“ galt und von „New
Economy“ die Rede war. Die darauffolgende Korrektur in den Jahren 2000 bis 2002
ist den Marktteilnehmern nur allzu gut in Erinnerung.

Gleichzeitig ist es
mitunter schwierig, die erforderliche Geduld aufzubringen, um auf ein Comeback
des Substanzstils zu warten. In den USA werden Abkürzungen wie FAANG[1]
verwendet, die eine bestimmte Untergruppe von wachstumsorientierten Aktien
beschreiben. Auch bei Betrachtung der Aktienmärkte in Japan oder den
Schwellenländern wird deutlich, dass die Bewertungen niedrige Niveaus
aufweisen, diese Märkte im Vergleich zu globalen Aktien aber weiterhin
unterdurchschnittlich abschneiden.

Letzten Endes müssen wir
uns eingestehen, dass es uns immer schwerer fällt, dem aktuellen Hype um
Wachstumsaktien in den USA Glauben zu schenken. Die immer größeren Hürden, die
diese Unternehmen meistern müssen, werden sich irgendwann als unüberwindbar
erweisen.

Fakt ist: Das Ausmaß und
die Dauer der mehrjährigen Underperformance von Substanzstrategien gegenüber Wachstumswerten
im aktuellen Zyklus wird nur durch den als „New Economy“-Jahre bezeichneten
Zeitraum zwischen 1994 und 2000 in den Schatten gestellt. Diese weitverbreitete
Manie für Wachstum als Anlagestil begann rund ein Jahr vor dem Börsengang von
Netscape im Jahre 1995,[2]
woraufhin der Technologie-Boom ausbrach. Diese Rally hatte einen Anstieg des
S&P 500 Growth Index um 376 Prozent (30,1 Prozent auf
annualisierter Basis) zur Folge. Im Vergleich dazu belief sich der Zugewinn des
S&P 500 Value Index auf „nur“ 183 Prozent (19,2 Prozent p.a.).[3]
Als dem Markt während des Crashs von 2000–2002 der Boden unter den Füßen
wegglitt, verbuchten Substanzaktien eine Outperformance in Höhe von Tausenden
von Basispunkten.

Heute weisen die beiden
Indizes abermals eine kumulative Lücke, die sich seit 2006 geweitet hat,
in dreistelliger Höhe auf. In den über 12 Jahren vom 31. Juli 2006 bis zum 31.
Dezember 2018 erzielte der S&P 500 Growth Index ein Plus von
157 Prozent (oder 7,9 Prozent auf annualisierter Basis) und legte
damit mehr als doppelt so stark zu wie der S&P 500 Value Index
(58 Prozent oder 3,7 Prozent p.a.).

Dies entspricht einer
kumulativen Differenz von 99 Prozentpunkten.

Bevor wir uns der hohen
Hürde widmen, lohnt sich ein Blick auf das markante Bild, das Abbildung 1
präsentiert. Zur Erinnerung: Der NASDAQ, der als einer der am stärksten
wachstumsorientierten Indizes überhaupt gilt, begann seine Talfahrt im März
2000, während der S&P 500 im Sommer des gleichen Jahres seine Spitze
erreichte. In der Folge kam es zu umfangreichen Umschichtungen in
Substanzaktien.

S&P
500 Growth Total Return Index im Vergleich zum S&P 500 Value

S&P 500 Growth Total Return Index im Vergleich zum S&P 500 Value
S&P 500 Growth Total Return Index im Vergleich zum S&P 500 Value

Quellen: WisdomTree, Bloomberg, Zeitraum vom 31. Dezember
1994 bis 31. Dezember 2018. „Wachstum“ bezieht sich auf den S&P 500 Growth
Index, „Value“ auf den S&P 500 Value Index. Sie können nicht direkt in
einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein
Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Nutzung der früheren
Arbeiten von WisdomTree zum Thema Dividendenwachstum

Wir führen zahlreiche
Analysen im Zusammenhang mit der Debatte zum Thema „Wachstum“ gegenüber
„Substanz“ durch. In einigen davon betrachten wir das Zusammenspiel zwischen
der Eigenkapitalrendite und den Gewinnthesaurierungs- und
Dividendenausschüttungsquoten, um die zugrunde liegenden Treiber des
Aktionärsvermögens zu bestimmen.

Die Wechselbeziehung
zwischen Rentabilität und Dividendenpolitik spielt eine entscheidende Rolle.

Abbildung 2 zeigt Rentabilitäts- und Wachstumskennzahlen
für die S&P 500 Growth, S&P 500 und S&P Value Indizes auf.

Abbildung 2: Bewertungskennzahlen des S&P 500
Growth, Core und Value Index

Bewertungskennzahlen des S&P 500 Growth, Core und Value Index
Bewertungskennzahlen des S&P 500 Growth, Core und Value Index

Quelle: Bloomberg. Stand: 11. Januar 2019.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige
Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die
Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige
Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Die entscheidende
Gleichung

Unsere Analysen kommen zu
dem Schluss, dass die Rentabilität (ROE) den wesentlichen Treiber des
Dividendenwachstums darstellt, wodurch sich die in Abbildung 3 dargestellte,
entscheidende Formel ergibt.

Abbildung 3: Die entscheidende Gleichung

Die entscheidende Gleichung
Die entscheidende Gleichung

In Abbildung 4 wird
anhand dieser kritischen Gleichung das „langfristige“ Dividendenwachstum
berechnet. „Langfristig“ steht in Anführungszeichen, da Zukunftsprognosen
ehrlich gesagt mehr eine Kunst als eine Wissenschaft darstellen.

Abbildung 4: Impliziertes Dividendenwachstum
(Schätzung)

Impliziertes Dividendenwachstum (Schätzung)
Impliziertes Dividendenwachstum (Schätzung)

Quelle: WisdomTree, anhand von Daten aus Abbildung 2 und
mittels der Gleichung aus Abbildung 3. Stand der Daten: 11. Januar 2019. Die
Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige
Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die
Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse,
und Anlagen können im Wert fallen.

Kann der S&P 500
Growth Index ein langfristiges Dividendenwachstum von 14,8 Prozent
erreichen? Und wie lange ist langfristig? Dies ist schwer zu beantworten. Wir
können allerdings die Zahlen nutzen, um herauszufinden, ob wir bereit wären,
uns bei einem Forward-KGV von 19,0 bei Wachstumswerten zu engagieren, wenn
Substanzaktien mit einem Forward-KGV von 12,5 gehandelt werden.

Aufgrund unserer Zusammenarbeit mit Professor Jeremy
Siegel, Senior Investment Strategy Advisor bei WisdomTree und Professor of
Finance an der Wharton School der University of Pennsylvania, bleibt uns eine
wichtige Grundlage von Aktienanlagen stets in Erinnerung: Auf lange Sicht –
d.h. für diese Zwecke meist Jahrzehnte – sind die realen Erträge an den
Aktienmärkten tendenziell eng mit den Gewinnrenditen dieser Titel korreliert.
Ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis bedeutet zwangsläufig eine hohe
Gewinnrendite. Warum also nicht diesen Vorteil nutzen, wenn künftige Erträge
doch nie sicher sind?

[1] Facebook, Apple, Amazon, Netflix and Google (Alphabet).

[2] Der berühmte Börsengang von Netscape im Jahre 1995 gilt weithin als eines der ersten beachtenswerten Ereignisse der Dotcom-Blase

[3] Quelle: Bloomberg für den Zeitraum 30. April 1994 bis 31. März 2000. Der Ertrag ist aufgrund der Datenverfügbarkeit auf Basis des Brutto-Gesamtertrags dargestellt