Warum junge Erwachsene bei der Geldanlage alt ticken

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Junge und alte Anleger verhalten sich ähnlicher als viele denken. Das zeigen neue Studien der Schufa und Comdirect. Der Grund: Jüngere suchen in Geldangelegenheiten oft den Rat der Eltern. Was Finanzberater sonst noch wissen müssen.

Auch wenn junge Anleger zur
Generation der „Digital Natives“ gehören, verhalten sie sich in Finanzfragen überaus
konservativ. Das zeigen neue Befragungen von Menschen im Alter von 16 bis 25
Jahren. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen legen sehr viel Wert auf ein
finanzielles Polster. Im Durchschnitt sparen sie 34 Prozent des Geldes, das
ihnen zur Verfügung steht. Im Süden Deutschlands ist die Sparquote mit 38
Prozent am höchsten, in Mecklenburg-Vorpommern legt die Altersgruppe nur 25
Prozent ihres Einkommens beiseite.

Doch wohin mit dem Ersparten? Bei den
meisten bleibt das Geld unverzinst auf dem Giro-, Spar- oder Festgeldkonto. 16
Prozent der jungen Erwachsenen setzt laut Comdirect auf einen Bausparvertrag, zehn
Prozent haben eine Lebensversicherung abgeschlossen, neun Prozent besitzen eine
private Rentenversicherung. Für Finanzberater heißt das: Sie können durchaus
schon bei 16- bis 25-Jährigen mit Vorsorgeangeboten punkten. „Es ist erfreulich
zu sehen, dass sich Deutschlands Jugend um ihre Finanzen kümmert“, sagt Arno
Walter, Vorstandsvorsitzender der Comdirect. „Umso verwunderlicher ist es, dass
nach wie vor weniger als zehn Prozent über ein Wertpapierdepot verfügen.“ Bei
den Männern (13%) ist das Interesse an Aktien größer als bei den Frauen (4%).

Comdirect Studie: Jugendliche mit Wertpapierdepot
Comdirect Studie: Jugendliche mit Wertpapierdepot

Die wichtigsten Ratgeber der Jugendlichen in Finanzfragen sind die eigenen Eltern. Das zeigt eine aktuelle Studie der Kreditauskunftei Schufa. 86 Prozent der jungen Erwachsenen fragen zuerst ihre Eltern und andere Familienangehörige. Nur 46 Prozent der 16- bis 25-Jährigen gehen für eine Beratung in die Bank. Das könnte auch erklären, warum junge Menschen beim Thema Geld oft eine ganz ähnliche Meinung vertreten wie ihre Eltern: 98 Prozent der Jugendlichen halten ein finanzielles Polster für wichtig, bei der Elterngeneration sind es 97 Prozent. Ähnlich ist es beim Sparen: 96 Prozent der Jugendlichen und 93 Prozent der Eltern legen regelmäßig Geld beiseite. Jeweils rund die Hälfte der Befragten beider Altersgruppen lehnen Ratenkäufe ab. Heißt: Wenn Finanzberater die Einstellung der Eltern kennen, können sie laut Schufa-Studie in vielen Fällen auch auf die Bedürfnisse der Kinder schließen und ihnen entsprechende Angebote unterbreiten.

Große Wissenslücke bei den Jugendlichen

Dabei tut Aufklärung Not. Denn die 16- bis 25-Jährigen wissen nur wenig über Finanzen. Lediglich sieben Prozent der jungen Menschen schätzten ihre Finanzkompetenzen in der Schufa-Befragung als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Jeder vierte Jugendliche bewertet sein Wissen als „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“. Hier können Finanzberater ansetzen und zum Beispiel in gemeinsamen Terminen mit den Eltern Anlagemöglichkeiten erklären. In deutschen Schulen werden Finanzthemen bislang nämlich kaum besprochen – obwohl sich ein Großteil der befragten Jugendlichen genau das wünscht.

So ticken Jugendliche beim Thema Finanzen
So ticken Jugendliche beim Thema Finanzen