Was wir aus dem Crash im Oktober lernen können

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Schon Mark Twain, der Schriftsteller und Spekulant, wusste, dass der Monat Oktober einer der gefährlichsten Börsenmonate ist. Aber dann hat er wohl augenzwinkernd hinzugefügt: Die anderen gefährlichen Monate wären Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, November und Dezember.

In diesem Jahr ist wieder einmal der Oktober besonders aufgefallen. Nicht allein durch den Markteinbruch selbst, sondern insbesondere dadurch, dass manche Aktien an mehreren Tagen hintereinander extrem, also um mehrere Standardabweichungen, gefallen sind. Das bedeutete Kursabschläge von mehrmals über 10% bei Titeln, bei denen keine oder sogar noch positive Unternehmensmeldungen vorhanden waren. Hierzu gehörten insbesondere Titel, die in den Jahren zuvor einen großen Kursanstieg zu verzeichnen hatten.

Handelte es sich dabei nur um eine Art „Momentum Crash“? Keineswegs. Betroffen waren auch Aktien, deren Kurse bereits zuvor gefallen waren und bei denen eher andere Faktoren wie Bewertung oder Stabilität stark ausgeprägt waren. Auch solche Titel fielen ohne neue Nachrichten mehrfach um mehrere Standardabweichungen. Ginge es nach den Theorien der Statistiker und klassischen Ökonomen, hätte es so etwas gar nicht geben dürfen.

Eine weitere Beobachtung: Unsere gesamten regelbasierten Faktorstrategien hatten im Oktober, insbesondere an einigen Ausnahmetagen, eine noch niedrigere Wertentwicklung als der Gesamtmarkt. Der Faktor Momentum schlug hierbei besonders negativ zu Buche, gleichwohl dieser nur etwa 25% unserer Auswahl bestimmt. Auch die regelbasierten Systeme anderer Fondsmanager lieferten im Oktober eine erhebliche, teils noch größere Underperformance ab.

Das bedeutet: Gerade systematische Strategien, die das Ziel verfolgen eine Outperformance zu generieren, haben im Oktober eine Underperformance gebracht. Das liefert meines Erachtens auch eine Erklärung für den zurückliegenden Oktobercrash: Der Grund für die statistisch abnormalen Kursrückgänge ist selbst systematisch – Irrationalität, Massenpsychologie – wie immer man es auch nennt. Systematische Strategien waren davon entsprechend besonders betroffen. Abrupte Kursrücksetzer halten naturgemäß viele Marktteilnehmer von Aktieninvestments ab. Ebenso hält die zurückliegende Kursschwäche viele Investoren gerade von systematisch interessanten Aktien zurück. In der Folge generieren diese Aktien mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Outperformance. 

Langfristige Marktbeobachtungen bestätigen diese Sichtweise und auch die letzten Tage haben bereits entsprechende Anhaltspunkte geliefert. Aktien, deren Allokation eine systemische Auswahl zugrunde liegt, sollten nach der zuletzt irrationalen Börsenphase besondere Chancen besitzen.

Der Autor Dr. Robert Velten, Geschäftsführer der Velten Asset Management GmbH, ist Initiator und Berater des ‚Velten Strategie Deutschland‘ (WKN A2ATCU). Das Management des auf deutsche Aktien ausgerichteten Fonds setzt – wissenschaftlich untermauert – auf Erhebung und Auswertung exklusiver Unternehmens-Kennzahlen, die Erfolgsfaktoren wie Wachstum und Bewertung besser abbilden, als herkömmliche Messverfahren.