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Gold könnte angesichts dauerhafter geopolitischer Risiken auf 1800 US Dollar steigen.

Von Nitesh Shah, Director of Research und Rohstoff-Experte
bei WisdomTree.

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Monaten um 14 Prozent zugelegt. Der Zuwachs geht mit einem plötzlichen Renditerückgang bei US-Staatsanleihen und einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlagen einher.

Wie wir in unserer
Analyse „Goldmarkt als Maß aller Dinge“ ausführten, haben die steigenden Spannungen
zwischen den USA und China in Form von Handels- und Währungskonflikten auf dem
Markt für Nervosität gesorgt, wodurch sich wiederum die Nachfrage nach sicheren
Anlagen erhöht hat. Sowohl der Markt als auch die Trump-Regierung scheinen die
US-Notenbank (Fed) zum Handeln gezwungen zu haben.

Die Zornanfälle auf dem
Markt haben die Entscheidungen der Fed klar beeinflusst: Die Zentralbank passte
ihren geldpolitischen Kurs an, nachdem die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres
ins Wanken geraten waren. Die unentschlossene Vorgehensweise der
Trump-Regierung beim Krisenthema Handel hat ebenso dazu geführt, dass die Fed
eine Zinssenkung, quasi als „Versicherung“, durchgeführt hat. Die Fed Fund
Futures zeigen, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen im Laufe des
Jahres erwarten, und dies wird die Renditen von US-Staatsanleihen
voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau halten.

Der Ausblick auf die Wirtschaft, die Zinsen und die Währungskurse
hat sich seit der Veröffentlichung unseres Goldausblicks im vergangenen Monat
ganz offensichtlich verändert. Im Folgenden bieten wir einen aktualisierten Ausblick
für das Edelmetall und fokussieren uns auf ein Szenario, in dem die
Unsicherheit im geopolitischen Bereich und auf den Finanzmärkten auf einem
erhöhten Niveau verbleibt.

Prognose des
Basisszenarios

Unserer neuen Prognose für
das Basisszenario zufolge steigt der Goldpreis im zweiten Quartal 2020 auf
1550 US Dollar pro Unze – ein Plus gegenüber einem Wert von 1500 US
Dollar Mitte August 2019. Diese Prognose basiert darauf, dass die Renditen für
10-jährige US-Staatsanleihen und der US-Dollar-Korb sich auf ihren aktuellen
Ständen von 1,65 Prozent bzw. 97 halten. Unseren Erwartungen nach wird die
Inflation bei rund 1,8 Prozent liegen. Obwohl ein negativer Preisdruck
unseres Erachtens nicht unmittelbar bevorsteht, wäre eine über diesem Stand
liegende Inflation nicht mit den Zinssenkungen der Fed vereinbar.

Den Daten der
Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge befindet sich die
spekulative Positionierung auf dem Markt für Goldtermingeschäfte mit
346.000 Kontrakten netto long auf einem stark erhöhten Niveau. Dieser
Stand liegt nur knapp unter dem Allzeithoch von 348.000 Kontrakten netto-long
vom Juli 2016. Die Marktstimmung hat sich bei Gold innerhalb kurzer Zeit sehr
schnell geändert. Im November 2018 war die Stimmung bei dem Metall so schwach,
dass die spekulative Positionierung netto short ausfiel. Da sich die
Positionierung nie lange auf einem so hohen Stand wie dem heutigen gehalten
hat, fahren wir die Positionierung in unserem Basisszenario auf bescheidenere
120.000 Kontrakte netto long zurück.

Abbildung 1: Goldpreisprognose

Gold Prognose 1
Gold Prognose 1
Gold Prognose 1

Quelle: WisdomTree Model
Forecasts, Bloomberg Historical Data, Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 13.
August 2019. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance
und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Was, wenn sich die
spekulative Positionierung auf einem hohen Niveau hält?

In unserem Basisszenario
sind wir konservativ und senken die spekulative Positionierung auf einen Stand,
der sich am langfristigen Durchschnitt orientiert. Doch was, wenn die
spekulative Positionierung bis ins zweite Quartal 2020 so hoch bleibt wie heute
(also bei 346.000 Kontrakten netto long)? Unser Modell zeigt, dass dies
die Goldpreise auf fast 1815 US Dollar pro Unze. treiben würde.

Abbildung 2:
Spekulative Positionierung in Goldfutures

Goldfutures 2
Goldfutures 2
Goldfutures 2

Quelle: Bloomberg,
WisdomTree, Stand der Daten: 13. August 2019.

Schätzungen sind kein
zuverlässiger Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments
beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Mehrere geopolitische und
finanzielle Risiken haben die Positionierung in Gold auf ein erhöhtes Niveau
getrieben:

·       Die Handelsgespräche zwischen den USA und China
sind zum Stillstand gekommen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines
größeren Protektionismus zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten
erhöht.

·       Die Befürchtungen des Markts, dass die Fed bei
angespannten Arbeitsmärkten und einer nicht nachgebenden Inflation mit einer
Lockerung der Geldpolitik einen Fehler begeht.

·       Die steigende Wahrscheinlichkeit eines harten
Brexits unter dem neuen britischen Premierminister.

·       Zunehmende Kontroversen im Nahen Osten, da der
Iran die Anreicherung von Uran über den im Rahmen des Nuklearabkommens
erlaubten Mengen fortsetzt. Angriffe auf Frachtschiffe um die Straße von Hormus
– die von einem Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls
passiert wird – haben die Spannungen in der Region nach der Verhängung von
Strafsanktionen gegen Teheran durch die Trump-Regierung zusätzlich verschärft.

·       Die argentinische Wirtschaft und die
Aktien-/Anleihenmärkte befinden sich erneut in der Krise, was Ängste über einen
größeren Ausverkauf im Bereich Emerging Markets verbreitet.

·       Erneut aufflammende politische Unsicherheit in
Italien aufgrund eines Misstrauensantrags gegen den amtierenden Premier.

·        Politische Unruhen in Hongkong, wo der Widerstand
gegen ein Auslieferungsgesetz, nach dem das Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche
Straftäter in Festlandchina vollzogen werden könnte, Forderungen nach breiteren
demokratischen Reformen ausgelöst hat.

Obwohl viele dieser
Probleme theoretisch schnell gelöst werden könnten, besteht eine hohe
Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Praxis nicht der Fall sein wird. Die
Handelsgespräche zwischen den USA und China laufen beispielsweise bereits seit
mehr als zwei Jahren ohne klare Lösung, da die Erwartungen beider Seiten
offenbar viel zu weit voneinander entfernt liegen. Es ist nicht klar, was für
eine Annäherung der beiden Seiten sorgen könnte.

Auch beim Brexit scheint es
sich um ein unlösbares Problem zu handeln – die Einzelheiten des von der
vorherigen britischen Premierministerin May verhandelten Abkommens sind für die
derzeitige Regierung unter Johnson unannehmbar und die Europäische Union ist
nicht willens, die wichtigsten Stolpersteine zu verhandeln. Da der Iran sich
offensichtlich in der politischen Isolation befindet, scheinen die Chancen
höher, dass das Land sein Säbelrasseln fortsetzen wird, als sich den
Forderungen der USA zu beugen.

Falls sich die geopolitische Lage weiter
verschlechtert, könnte die spekulative Positionierung sogar noch weiter
steigen. Sollte die Positionierung auf 400.000 Kontrakte netto long
ansteigen, könnte der Goldpreis unserem Modell zufolge auf 1875 US
Dollar/Unze zulegen – nur einen Hauch unter dem Goldpreis-Allzeithoch von
1900 US Dollar/Unze vom 5. September 2011.

Sie können sich diese Prognose hier auchim PDF-Format downloaden.